München offen für eine Welt-Leitmesse wie die IAA

von Redaktion

Autoindustrie zieht zwiespältige Bilanz – Namhafte Aussteller bleiben aus – Neuer Schwerpunkt Mobilität

Frankfurt/München – Bis spätestens Anfang 2020 will der Verband der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam mit Herstellern und Zulieferern ein neues Konzept für die künftige Internationale Automobilausstellung (IAA) ausarbeiten und dann über den künftigen Standort entscheiden. VDA-Präsident Bernhard Mattes wollte am Freitag keine Hinweise geben, wo die Autoschau ab 2021 stattfinden könnte. Der Vertrag mit der Messe Frankfurt läuft mit der IAA 2019 aus. Sie endet am Sonntag. Als mögliche andere Standorte gelten Berlin, Köln und München. „Erst einmal erarbeiten wir ein Konzept, dann sehen wir, wo wir es umsetzen können“, sagt Mattes. Die Münchner Messe zeigt sich jedenfalls offen für einen Umzug in die bayerische Landeshauptstadt, wie Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung, sagt: „Für Gespräche mit dem VDA und die Ausrichtung einer weiteren Welt-Leitmesse sind wir generell offen. Auch gehen wir davon aus, über die notwendigen Kapazitäten zu verfügen.“

Der scheidende VDA-Präsident Mattes sieht die diesjährige Messe trotz deutlich geringerer Aussteller- und Besucherzahlen als Erfolg. „Diese IAA stimmt mich optimistisch.“ Sie habe sich von einer reinen Automesse zu einer umfassenden Mobilitätsplattform entwickelt. Künftig soll eine IAA nach den Vorstellungen von Mattes nicht mehr nur auf einem Messegelände stattfinden. „Wir wollen neue Mobilität noch stärker zum Bürger tragen und im urbanen Umfeld erlebbar machen.“ Mattes verwies als Beispiel auf die „Straßenland“ in Köln, die dort im Juni in der Stadt künftige Mobilitätskonzepte präsentierte, unterstützt auch von Autokonzernen wie Toyota, Ford und Nissan. Auch in Berlin würden etwa auf der Straße des 17. Juni immer wieder Festivals stattfinden. Diese Hinweise seien aber kein Votum für diese Städte.

Die politische Konstellation im Rathaus einer Stadt sei für eine Entscheidung nicht ausschlaggebend. Entscheidend sei, dass ein neues Konzept für die IAA umgesetzt werden könne. In Frankfurt war es vor der Eröffnungsfeier der IAA zu Verstimmungen mit der Stadt und Oberbürgermeister Peter Feldmann gekommen, weil der Sozialdemokrat vom VDA im Gegensatz zur Vergangenheit nicht eingeladen wurde. Mattes will bis zum Ende seiner Amtszeit Ende des Jahres mit voller Energie an einem neuen Konzept mitarbeiten. Er ist überzeugt, dass die „IAA auch künftig die international relevanteste Plattform für die Innovationskraft der gesamten Automobilindustrie“ sein werde.

Allerdings schrumpft das Interesse. In diesem Jahr kamen nur 800 und damit 200 Aussteller weniger nach Frankfurt. Mehr als eine halbe Million Besucher erwartet Mattes bis Sonntag. Das wären rund 300 000 weniger als bei der letzten IAA 2017. Für Mattes allerdings gehe es nicht mehr allein um vermietete Quadratmeter, sondern um Relevanz. Für die künftige Mobilität ist die IAA nach Ansicht des VDA-Präsidenten mehr als relevant. Mattes führt das gleichwohl geringere Interesse an der Messe auf die Tatsachen zurück, dass 30 namhafte Autohersteller die IAA gemieden hatten und es am vergangenen Wochenende friedliche Proteste gegen die Autoschau und Blockaden der Eingänge gegeben hatte. „Die Attacken, die in den vergangenen Wochen gegen das Auto und insbesondere gegen den SUV geritten wurden, sind Zeichen einer überhitzten Diskussion“, sagt der VDA-Chef. Es habe schließlich noch nie auf einer IAA so viel serienmäßige Elektromobilität gegeben wie heuer. Zudem habe sich die Branche dem Dialog gestellt. Er sei von fast allen Kritikern angenommen worden. „Dieser Ansatz ist richtig: Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander.“ BARBARA WIMMER ROLF OBERTREIS

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