Frankfurt – Bundesbank und Finanzaufsicht Bafin rechnen im nächsten Jahr mit einer „mittleren zweistelligen Zahl“ von Pleiten bei kleineren und mittelgroßen Banken. Grund: Eine zu schwache Kapitalausstattung, um Belastungen durch anhaltende Niedrigzinsen, die konjunkturelle Eintrübung und die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China tragen zu können.
„Ich sehe zwar keine Flut von Bankenpleiten, aber für manche wird es schwer“, sagte Bafin-Exekutiv-Direktor Raimund Röseler am Montag in Frankfurt bei der Vorstellung der neuen Stresstest-Ergebnisse und einer Umfrage unter mehr als 1400 Banken und Sparkassen. Privatkunden müssen mit Belastungen rechnen. „Banken ziehen vermehrt auch eine mögliche Weitergabe negativer Zinsen in Betracht“, betonte Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling.
Im Durchschnitt erwirtschaften kleinere und mittelgroße Geldhäuser, so die Erkenntnisse des alle zwei Jahre angesetzten Stresstests, nur niedrige Gewinne. „Die Rentabilität ist schwach“, sagt Röseler. Allerdings hätten „über 90 Prozent der Institute mit einem harten Stress kein Problem“. Es regne kräftig, aber das Dach sei noch dicht, so Wuermeling. Zu einzelnen Instituten machten Bundesbank und Bafin keine Angaben.
Stresstest und Umfrage beziehen sich auf die Lage von Banken und Sparkassen zum Ende des vergangenen Jahres und analysieren ihre Planungen bis 2023. Das Stressszenario unterstellt einen starken Zinsanstieg, Kreditausfälle, hohe Abschläge auf Vermögenswerte und eine schwere Wirtschaftskrise.
In ihren Planungen sind die Institute mit Blick auf die Zinsen nach Angaben von Wuermeling „zu optimistisch“. Die Hälfte hätten eine Zinswende zugrunde gelegt, die andere Hälfte gehe von konstanten Zinsen aus. Diese Zuversicht kann der Bundesbanker nicht nachvollziehen. Zumal nach den jüngsten Zinsbeschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB), die den Einlagezins für Banken weiter von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent ins Minus gedrückt hat. Trotzdem könnten Banken und Sparkassen die Niedrigzinsen verkraften.
Die Aufseher haben sogar festgestellt, dass die Institute mit Blick allein auf die Kundeneinlagen noch Geld verdienen, weil die Einnahmen aus bereits auferlegten Negativzinsen die Aufwendungen für Zinszahlungen an die Kunden leicht übersteigen. Nicht berücksichtigt sind dabei die Zinsen, die Banken und Sparkassen für Einlagen bei der EZB zahlen müssen.
Die Geldhäuser versuchen mit der Ausweitung ihres Kreditgeschäftes gegenzusteuern. „Sie sind bereit, zusätzliche Risiken einzugehen. Aber noch ist das nicht besorgniserregend“, sagt Wuermeling. Klar erkennbar ist der Fokus auf das Immobiliengeschäft. Negativzinsen seien auch eine Option. Knapp die Hälfte der Institute ist der Umfrage zufolge dazu bereit. Neun Prozent der Institute würden auch Einlagen von Privatkunden nicht verschonen. Negativzinsen seien aber, sagt Bundesbanker Wuermeling, ein „falsches“ Signal. Ein Verbot sei aber keine Option. Dann würden eben andere Preise angehoben.