München – In die Übernahmeschlacht um Osram steigt ein weiterer Bieter ein. Das erklärte der Münchner Lichtkonzern gestern in einer Adhoc-Mitteilung. Dazu tut sich der US-Finanzinvestor Bain mit dem Wettbewerber Advent zusammen. Das Duo will „einen bedeutenden Aufschlag“ gegenüber dem bisher lukrativsten Angebot des österreichischen Sensorherstellers AMS bieten, heißt es in einem Schreiben an den Osram-Vorstand.
Ein bindendes Angebot mit exaktem Kaufpreis wurde für die nächsten Wochen angekündigt. AMS bietet für die Münchner 38,50 Euro je Anteil und in der Summe damit bis zu 4,3 Milliarden Euro. Das könnte nun nicht mehr reichen. Aus dem Rennen ist nun endgültig wohl nur das erste Übernahmeangebot für Osram, das Bain mit Partner-Investor Carlyle gemacht hatte. Dieses Duo hatte 35 Euro je Osram-Anteil geboten, war aber von AMS um ein Zehntel überboten worden. Carlyle war dem Vernehmen nach im Gegensatz zu Bain nicht bereit, die eigene Offerte aufzustocken. Mit Advent hat Bain aber einen Gleichgesinnten gefunden, der tiefer in die Tasche greifen will und auch eine Investorenvereinbarung mit Schutzzusagen für Personal, Standorte und Patente in Aussicht stellt.
Die Hoffnung von Bain und Advent dürfte sein, durch ihre Ankündigung zu verhindern, dass AMS bis Ende der eigenen Angebotsfrist am 1. Oktober die angepeilten 62,5 Prozent der Osram-Aktien einsammelt.
Bis dahin können die Finanzinvestoren noch gar kein verbindliches Angebot präsentieren, weil das zuvor noch von der Finanzaufsicht Bafin geprüft werden muss. Das dauert in der Regel zwei Wochen. Damit setzt die Ankündigung der neuen Offerte nun den bisherigen Bieter AMS unter erheblichen Druck. Der Umstand, dass das neue Bieterduo derzeit keinen Kaufpreis nennt, dürfte vor allem taktische Gründe haben. Denn AMS darf das eigene Angebot aus rechtlichen Gründen nur noch einmal aufbessern.
Ohne Klarheit durch Bain und Advent weiß AMS aber nicht, welche Summe man kontern muss. Stockt AMS die eigene Offerte auf, auch ohne die Höhe des Gegenangebots zu kennen, würde das die Annahmefrist für das eigene Angebot um zwei Wochen auf Mitte Oktober verlängern.
Bain und Advent wüssten dann aber, was AMS maximal zahlt und hätten zwei Wochen Zeit, um auch diesen Preis zu überbieten. AMS kann aus rechtlichen Gründen darauf nicht mehr reagieren. Sie müssen jetzt aufstocken. Tun die Österreicher das nicht, müssen sie damit rechnen, die für ihr Angebot festgelegte Mindestannahmequote von 62,5 Prozent zu verfehlen und wären dann ganz aus dem Rennen.
Das könnte durchaus so geschehen, denn zumindest Osram-Großaktionäre wie die Allianz mit etwa einem Zehntel der Anteile würden wohl unweigerlich auf die bessere Offerte von Bain und Advent warten. So gesehen ist AMS jetzt ins Hintertreffen geraten.
Dem Osram-Management und vor allem der 26 000 Mitarbeiter starken Belegschaft dürfte das gelegen kommen. Betriebsrat und IG Metall lehnen eine Übernahme durch AMS ab. Sie fürchten von den Österreichern im Fall einer Übernahme den Abbau mehrerer hundert Jobs sowie den Verkauf von Geschäftsteilen, also eine Zerschlagung des über 100 Jahre alten Traditionskonzerns.
Die Osram-Führung unter Olaf Berlien hat die AMS-Offerte zwar zur Annahme empfohlen, das aber unter Vorbehalten. Das AMS-Angebot sei lediglich finanziell überlegen. Strategisch und mit Blick auf Arbeitsplätze ist es auch Berlien mulmig. Mit der Ankündigung eines überlegenen Angebots tritt der Kampf um Osram in eine neue Phase. Der Ball liegt nun im Feld von AMS. Auf Osram kommt in jedem Fall ein heißer Herbst zu.