„Bayern kommt mit einem blauen Auge davon“

von Redaktion

Wirtschaft wächst, Export stabil: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sendet gezielt positive Botschaften zur Lage. Also keine Krise? Oder kann man sie abwenden?

Experten reden von einer dicken Krise. Der Wirtschaftsminister sagt, es gehe aufwärts. Fühlen Sie sich gerade wie die Bordkapelle auf der Titanic?

(lacht). Nein, von Titanic-Stimmung würde ich nicht reden. Wir haben eine zweigespaltene Lage. In weiten Teilen des Mittelstands, beim Handwerk, in der Gastronomie und vielen Dienstleistungen haben wir einen klaren Aufwärtstrend und sogar Fachkräftemangel. Gleichzeitig gehen Maschinenbau und Automobilbranche in die Knie. Insgesamt sehen wir nach wie vor leicht steigende Exportdaten und quasi Vollbeschäftigung.

Kommt also die Delle? Eine echte Rezession?

Ich glaube, Bayern kommt mit einem blauen Auge davon, wenn wir den Transformationsprozess schnell genug hinbekommen. Gerade in der Auto-Branche erleben wir, dass viele Kunden verunsichert sind, welche Antriebssysteme sich durchsetzen. Käufer halten sich zurück, das Durchschnittsalter der Autos steigt. Sobald wieder eine klare Vision da ist, zieht das an. Wir müssen in allen Branchen die Digitalisierung vorantreiben. Da sind uns einige Länder inzwischen voraus, wir sind aber nicht uneinholbar überholt. Auch international bin ich Optimist: Ich glaube, dass der Brexit scheitert – das gibt der Wirtschaft neuen Schwung.

Ist die stark steigende Kurzarbeit ein Alarmsignal auch in Bayern?

Das ist ein Frühwarn-Indikator und federt die Lage ab. Wir müssen die Trendwende schaffen, bevor dieser Puffer aufgebraucht ist. Dazu zählt auch die Umqualifizierung. Wir haben ein seltsames Bild: Auf der einen Straßenseite suchen Betriebe verzweifelt Arbeitskräfte. Auf der anderen Straßenseite läuft eine Demo „Rettet unsere Jobs“.

Bald kommt die nächste Steuerschätzung. Reißt das ein Loch in den bayerischen Haushalt?

Bisher ging es immer bergauf. Ich hoffe, dass die Einnahmen zumindest stabil bleiben. Ich habe keine Hinweise auf deutliche Rückgänge. Wir müssen den Gürtel noch nicht enger schnallen.

Interview: C. Deutschländer

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