Münchner Umland: Sparer verlieren Millionen

von Redaktion

Deutschlandweit wird nirgendwo sonst so viel gespart wie in der Region München. Weil die Sparer aber einen Großteil ihres Geldes zinslos anlegen, sind die Kaufkraftverluste hier besonders hoch. Allein im Kreis München verlieren Sparer 217 Millionen Euro – und zwar jedes Jahr.

VON SEBASTIAN HÖLZLE

München – Auf den ersten Blick sieht es so aus, als bräuchten sich die Menschen im Münchner Umland keine Sorgen um ihre Zukunft machen: Eine am Freitag veröffentlichte Studie der Dekabank zeigt, dass in Deutschland nirgendwo sonst so viel gespart wird wie in den Städten und Gemeinden rund um München.

Mit den Landkreisen Starnberg, München und Ebersberg finden sich gleich drei Kreise unter den Top 5 der Regionen mit dem bundesweit größten Geldvermögen. Auf den Plätzen 6 und 7 folgen die Stadt München und der Landkreis Miesbach (siehe Grafik). Der Studie zufolge liegt allein im Landkreis Starnberg das Geldvermögen je Einwohner im Schnitt bei 91 000 Euro. Zum Vergleich: Im bundesweiten Schnitt liegt das Geldvermögen je Einwohner bei 51 800 Euro.

Ein genauer Blick in die Zahlen zeigt aber, dass die Sparer in der Region um ihr Geld bangen müssen: „Rund die Hälfte des Geldvermögens wird bei Banken und Sparkassen auf Tagesgeld- und Girokonten angelegt, in der Hoffnung auf bessere Zeiten“, sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater am Freitag bei der Vorstellung der Studie in München. Es sei aber „schwer vorstellbar“, dass es bei den Zinsen innerhalb der kommenden vier oder fünf Jahre wieder aufwärts gehe. Die Folge für die Sparer: Da voraussichtlich gleichzeitig die Preise für Produkte und Dienstleistungen anziehen (Inflation), schmilzt ihr Geldvermögen.

Die Verluste sind gewaltig, wie die Volkswirte der Dekabank ausgerechnet haben: 217 Millionen Euro verlieren allein die Menschen im Landkreis München jedes Jahr. Im Kreis Starnberg sind es 91 Millionen und im Landkreis Ebersberg 81 Millionen Euro. Das sagt die Statistik.

In der Realität sind die Kaufkraftverluste womöglich sogar noch höher: Die Deka-Ökonomen haben in ihrer Berechnung eine jährliche Inflationsrate von 1,5 Prozent unterstellt, obwohl in Ballungsräumen häufig deutlich höhere Teuerungsraten zu beobachten sind.

Unklar bleibt, wie die Geldvermögen über die Bevölkerung verteilt sind. Die Studie gibt keinen Aufschluss darüber, ob beispielsweise im Landkreis Starnberg eine vergleichsweise kleine Zahl von Millionären und Milliardären den Durchschnittswert der Geldvermögen überproportional stark in die Höhe gezogen hat – oder ob tatsächlich die breite Masse der Bevölkerung von hohen Kaufkraftverlusten durch die Nullzinsen betroffen ist.

Immerhin zeigen die Zahlen: Bundesweiter Rekordhalter in Sachen Geldvermögen ist die Millionärsgemeinde Grünwald im Landkreis München. Hier verfügt jeder Einwohner im Schnitt über ein Geldvermögen in Höhe von 192 200 Euro. In der Gemeinde Taufkirchen sind es dagegen 58 700 Euro pro Einwohner. Unabhängig von der Verteilung lässt die Studie aber einen Schluss zu: „Die Vorliebe für Bargeld und Sichteinlagen ist nach wie vor ungebrochen“, sagte Kater.

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