München – Alles in allem sind die oberbayerischen Unternehmen mit den Rahmenbedingungen zufrieden, die ihnen ihr Standort bietet: Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Vier von fünf Firmenchefs bewerteten den Standort mit „sehr gut“ oder „gut“. 86 Prozent würden sich wieder für Oberbayern entscheiden, wenn sie heute noch einmal vor der Wahl stünden, wo sie ihren Betrieb ansiedeln. Wie in der Studie vor zwei Jahren ergab die Auswertung von 44 Kategorien für den Wirtschaftsstandort Oberbayern die Gesamtnote 2,0, wie die IHK gestern berichtete. Dennoch ist nicht alles rosig in der Region: Fast jedes dritte Unternehmen gab diesmal an, dass Standortmängel die Entwicklung der Firma behindern, vor vier Jahren fand das erst ein Viertel der Betriebe, berichtet die Kammer. Als Hauptgründe wurden fehlende Fachkräfte und Gewerbeflächen sowie langwierige Genehmigungsverfahren genannt. Besonders schlecht wurden auch die mangelnde Anbindung an den Schienengüterverkehr sowie der fehlende erschwingliche Wohnraum für Mitarbeiter bewertet. Als Stärken Oberbayerns zählten gute Fernstraßenverbindungen, loyale und motivierte Mitarbeiter sowie die derzeit noch gute Energieversorgung. Keine Verbesserung stellten die Firmen bei der Breitbandversorgung fest, hier gab es wie vor zwei Jahren die Note 2,8.
„Oberbayern ist im Mix aller Faktoren ein Top-Standort, der Unternehmen auch im internationalen Vergleich hervorragende Bedingungen bietet“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl zu den Ergebnissen. 29 Prozent der Betriebe haben in den letzten drei Jahren ihren Standort erweitert oder umfangreich investiert, 26 Prozent planen dies für die kommenden drei Jahre. „Das ist in Zeiten der konjunkturellen Abschwächung ein starkes Zeichen“, so Gößl. Dennoch kein Grund zum Zurücklehnen, findet der IHK-Chef. In 19 der 23 kreisfreien Städte und Landkreise Oberbayerns war der Fachkräftemangel unter den drei am häufigsten genannten Problemen. Dass die Landratsämter und Rathäuser noch wirtschaftsfreundlicher und schneller werden könnten, fanden sogar 20 der 23 Gebietseinheiten. Hier nannten die Unternehmen vor allem die Dauer von Genehmigungsverfahren und den Ausbau digitaler Verwaltungsverfahren als verbesserungswürdig.
Die Einzelergebnisse der Studie zeigen jeweils die Diskrepanz zwischen der Bedeutung, die bestimmten Bereichen vonseiten der Unternehmen zugewiesen wird, und der tatsächlichen Zufriedenheit. Einige Beispiele:
. Breitbandversorgung Bedeutung: 1,4 Zufriedenheit: 2,8
. Angebot Gewerbeflächen
Bedeutung: 2,5
Zufriedenheit: 3,2
. Verfügbarkeit von akademisch gebildeten Fachkräften Bedeutung: 2,7 Zufriedenheit: 3,2
. Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften Bedeutung: 1,8 Zufriedenheit: 3,4
. Energiepreise Bedeutung: 2,0 Zufriedenheit: 2,8
. Kaufkraft am Standort Bedeutung: 2,5 Zufriedenheit: 2,4
. Angebot an Wohnraum Bedeutung: 2,0 Zufriedenheit: 3,5
. Bürokratiearme Verwaltung/Unternehmerfreundlichkeit Bedeutung: 1,8 Zufriedenheit: 3,2