Deutsche Bank: 9000 Stellen im Inland weg?

von Redaktion

Bei der Deutschen Bank fallen im Inland womöglich 9000 Stellen weg. Entsprechende Berichte kommentierte die Bank gestern nicht.

VON ROLF OBERTREIS

Frankfurt – Der im Juli verkündete Abbau von 18 000 Stellen weltweit wird offenbar zur Hälfte das Geschäft der Deutschen Bank in Deutschland betreffen. Aus Finanzkreisen sickerte am Dienstag durch, dass bis Ende 2022 hierzulande 9000 Vollzeitstellen wegfallen sollen. Die Bank bestätigte diese Zahl nicht. „Dort, wo es zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen wird, werden wir direkt mit unseren Mitarbeitern über ihre Arbeitsplätze und die ihnen zur Verfügung stehenden Alternativen sprechen“, sagte ein Sprecher. „Wir sind uns absolut bewusst, dass diese Art von Entscheidungen die Leben unserer Mitarbeiter nachhaltig beeinflussen. Deshalb werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um bei der Umsetzung dieser Veränderungen so verantwortungsbewusst und sensibel wie möglich zu sein.“

Über Details zu den geplanten Einschnitten ist bislang nichts bekannt, weder bezogen auf Regionen noch auf Bereiche der Bank. Wann Ergebnisse zu erwarten sind, lässt die Bank offen. Offensichtlich soll aber möglichst schnell Klarheit geschaffen werden, um allzu große Verunsicherung zu vermeiden. Vermutlich will der Vorstand bis spätestens 10. Dezember Klarheit haben. Dann lädt er zum wichtigen Investorentag unter dem Motto „Investor Deep Dive“.

Konzernbetriebsratschef Frank Schulze hatte im Juli geschätzt, dass 6000 bis 10 000 Stellen in Deutschland wegfallen könnten. Darin ist der bei der Postbank bereits vereinbarte Abbau von 2000 Arbeitsplätzen enthalten, sodass 4000 bis 6000 auf die Bereiche und Filialen der Deutschen Bank entfallen könnten. Auch in der jetzt kolportierten Zahl von 9000 Vollzeitstellen soll der Abbau bei der Postbank bereits berücksichtigt sein.

Ende 2018 beschäftigte das größte deutsche Geldhaus weltweit noch 91 737 Menschen in Vollzeit, davon 41 669 in Deutschland. Ende Juni waren es global noch 90 866. Ende 2022 sollen es weltweit dann nur noch 74 000 sein. Und in Deutschland dann offenbar nur noch 32 000, sollte die Abbauzahl von 9000 umgesetzt werden. Seit Ende 2017 hat die Bank weltweit bereits fast 7000 Vollzeitstellen gestrichen.

Unklar ist auch, ob und wie viele der derzeit noch gut 1400 Filialen in Deutschland wegfallen. Die Commerzbank hatte unlängst verkündet, dass sie 200 ihrer 1000 Filialen und damit ein Fünftel schließt. Die Deutsche Bank hatte allerdings mehrfach durchblicken lassen, dass der Abbau eher in der Verwaltung und in Abwicklungseinheiten, möglicherweise auch in der Zentrale in Frankfurt als im direkten Kundengeschäft stattfinden soll.

Manfred Knof, seit Anfang August neuer Leiter der Privatkundensparte in Deutschland, eruiert derzeit die Einsparmöglichkeiten in seinem Bereich. Knof stehe für strikte Kostendisziplin, heißt es in der Deutschen Bank. Fraglich ist, ob die Privatkundensparte weiter mit zwei Zentralen in Frankfurt und in Bonn arbeiten wird. Dort hat die mittlerweile weitgehend integrierte Postbank ihren Hauptsitz. Einschnitte bei der Postbank sind auch deshalb schwieriger, weil dort, zumindest Ende 2017, noch 4300 Mitarbeiter im Beamtenverhältnis standen.

Neben den Einschnitten in Deutschland dürfte es vor allem die Beschäftigten der Bank in London treffen, auch wegen des Brexits. Dort beschäftigte das Institut Ende 2018 knapp 8000 Menschen in Vollzeit. Vor allem etliche Investmentbanker sollen die Bank bereits im Sommer verlassen haben.

Artikel 6 von 10