Berlin – Von dem Geld, das die Kunden im Supermarkt für schwarzen Tee der Sorte Assam zahlen, erreichen die Pflückerinnen und Pflücker magere 1,4 Prozent. Das Gros hingegen bleibt bei den deutschen Lebensmittelhändlern und Teeunternehmen wie Ostfriesische Teegesellschaft und Teekanne: gut 86 Prozent. Das steht in einer neuen Studie, die die Hilfsorganisation Oxfam am Donnerstag vorgestellt hat.
Deren Expertin Barbara Sennholz-Weinhardt rechnete vor: „Bei einer Packung Markenschwarztee für drei Euro gehen nur etwa vier Cent an die Menschen, die den Tee gepflückt haben“. Bei den Supermärkten und Hersteller blieben indes rund 2,60 Euro. 20 Cent erhielten Zwischenhändler, 16 Cent Plantagenbesitzer.
Oxfam hat auf 50 Plantagen in Assam 510 Arbeiterinnen und Arbeiter befragt und Daten zu den Lieferbeziehungen nach Deutschland analysieren lassen. Dort, im Nordosten Indiens, liegt eines der größten Teeanbaugebiete der Erde. Von dort stammt der Hauptbestandteil des Ostfriesentees. Assam, der als „dunkler, kräftiger und anregender Tee“ gilt, steckt aber auch in anderen Mischungen, dem English-Breakfast-Tea etwa. In Reinform gibt es ihn auch. Dass die Arbeit der Pflückerinnen und Pflücker hart ist, ist schon öfter beschrieben worden. Die Ergebnisse der neuen Studie sind aber anders, konkreter. Die Arbeitenden in Assam verdienten pro Tag nur zwischen 137 und 170 indische Rupien, umgerechnet 1,73 bis 2,14 Euro. Das sei weniger als die Hälfte dessen, was in Assam für ein menschenwürdiges Leben notwendig wäre, also einem existenzsichernden Lohn entspräche.
Weitere Ergebnisse der Studie: 56 Prozent der Befragten haben nicht ausreichend zu essen, mehr als ein Viertel nimmt pro Tag weniger als 1800 Kilokalorien zu sich. Dazu kommen laut Sennholz-Weinhardt „katastrophale Arbeitsbedingungen“: 51 Prozent der Befragten klagten über Reizungen der Augen, Erkrankungen der Atemwege, allergische Reaktionen. Oft hantieren sie mit Pestiziden, haben aber keine Handschuhe, Masken, Schutzkleidung. Toiletten gibt es auf den Tee-Feldern nicht.
Das Trinkwasser, das die Arbeitenden auf den Plantagen trinken, ist oft verunreinigt. 45 Prozent der befragten Arbeitenden gab an, an Durchfall oder auch Krankheiten wie Gelbsucht, Cholera, Typhus zu leiden.
Was machen Verbraucher, die sich damit nicht abfinden wollen? Ein Tipp von Sennholz-Weinhardt: „Verschaffen Sie sich Gehör bei dem Supermarkt, in dem Sie einkaufen, und erkundigen Sie sich beim Filialleiter, wo der Tee genau produziert wird und ob die Arbeiterinnen vor Ort faire Löhne bekommen.“ Neben den Kunden sei auch der Staat gefragt. Oxfam hat gerade erst mit gut 60 anderen Unternehmen die Initiative Lieferkettengesetz.de gestartet. Deutsche Unternehmen sollten damit verpflichtet werden, sich bei ihren Geschäften im Ausland besser um faire Arbeitsbedingungen und Umweltfragen zu kümmern.
Die deutschen Firmen allerdings halten ihre Möglichkeiten für begrenzt. Das Unternehmen Teekanne wies darauf hin, dass es „nur 0,06 Prozent der weltweit exportierten Assam-Rohwaren abnimmt“. Bei ihren Lieferanten hätten ihre Experten die „angeprangerten drastischen Missstände“ auch „zu keiner Zeit“ festgestellt.