Brüssel – Der Ferienflieger Condor wird den Winter über mit einem staatlichen Kredit über 380 Millionen Euro in der Luft gehalten. Nach der Zustimmung aus Brüssel hat am Montag die heiße Phase zur Rettung der 1955 gegründeten Gesellschaft begonnen.
Mit dem nun genehmigten Kredit ist die Gesellschaft zunächst wieder flüssig und kann sich auf die Investorensuche konzentrieren. Nach eigenen Angaben hat sie im Geschäftsjahr 2017/18 einen operativen Gewinn von 43 Millionen Euro erwirtschaftet bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro. Im Folgejahr soll es noch ein wenig besser gelaufen sein, sagen Insider. Welche Mittel das deutsche Condor-Management vor dem Zugriff der britischen Mutter retten konnten, ist aber nicht bekannt. Die Gesellschaft hat nach eigenen Angaben 58 Flugzeuge und rund 4900 Beschäftigte.
Die Gesellschaft befindet sich im Schutzschirmverfahren, der mildesten Form eines Insolvenzverfahrens, und ist durch den Kredit vorläufig gesichert. Das Management mit dem Ex-Lufthanseaten Ralf Teckentrup an der Spitze bleibt im Amt und wird von einem „Sachwalter“ beraten. Bei Condor ist das der bereits bei Airberlin erprobte Insolvenzrechtler Lucas Flöther aus Halle. Er muss vor allem darüber wachen, ob die Gesellschaft zahlungsfähig bleibt.
Condor muss immerhin für ein rundes Fünftel seiner Plätze neue Kunden finden. So hoch war der Anteil der Thomas-Cook-Veranstalter, um deren zunächst aufgegebenes Geschäft sich nun die verbliebenen Anbieter balgen. Für die Reisen brauchen sie auch Plätze in den Flugzeugen der Condor. Deren Vertriebschef Paul Schwaiger spricht von einer gestiegenen Veranstalter-Nachfrage im Winter und auch im kommenden Sommer, hat bislang aber keine Zahlen genannt. Unklar bleibt auch, wie sich die rund 40 Prozent Einzelplatzbucher verhalten.
Trotz einiger Pleiten ist der Markt weiterhin von Überkapazitäten geprägt. Die Billigflieger haben mit ihren günstigeren Kostenstrukturen immer mehr touristische Ziele im Mittelmeerraum in ihr Programm aufgenommen und bieten über ihre Websites auch Unterkünfte, Mietwagen und Freizeitaktivitäten an. Besonders die irische Ryanair hat im abgelaufenen Sommer mit ihrer Tochter Laudamotion den Preiskampf weiter angeheizt. Die Luft für kleinere Gesellschaften wie die Condor wird aber auch auf der Langstrecke dünner. Denn dort fliegt die Lufthansa inzwischen mit Eurowings-Jets Ziele an, die auch von der Condor angeboten werden. Konkurrent TUI prüft ebenfalls den Aufbau einer eigenen Langstreckenflotte.
Noch ist unklar, wer Condor übernehmen könnte. Im Prinzip kommen andere Fluggesellschaften, Finanzinvestoren oder Mischformen infrage. Häufig genannt wird der US-Finanzinvestor Indigo, der weltweit Anteile an vier Billigfliegern einschließlich einer Minderheit an der ungarischen Wizz hält. Die US-Gesellschaft brauchte aber europäische Partner, um innerhalb der EU volle Flugrechte zu erhalten.
Wie vor zwei Jahren bei Airberlin könnten kleinere heimische Investoren an den Start gehen wie der Nürnberger Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl oder der Berliner Logistikkonzern Zeitfracht, der damals Unternehmensteile der Airberlin übernahm. Abgewunken haben bereits Easyjet, Ryanair und der TUI-Konzern. Einige deutsche Reiseveranstalter haben Minderheitsbeteiligungen zumindest nicht ausgeschlossen.
Das Engagement eines einzelnen Investors wäre Management und Belegschaft wohl die willkommenste Lösung, ist aber keineswegs sicher. Bei einem Einstieg des früheren Eigentümers Lufthansa wären kartellrechtliche Auflagen aus Brüssel ziemlich wahrscheinlich, so dass Unternehmensteile abgegeben werden müssten.