David frisst Goliath: Dritter Osram-Übernahme-Versuch

von Redaktion

München – Nur zwei Wochen nach dem gescheiterten zweiten Übernahmeversuch wagt der österreichische Sensorhersteller AMS ein drittes Mal, den dreifach größeren Traditionskonzern Osram zu schlucken. Eine erste Offerte hatte die Firma schon binnen 24 Stunden wieder kassiert. Beim jetzigen Anlauf stehen die Chancen allerdings besser denn je.

Preislich bietet AMS zwar unverändert 41 Euro je Osram-Aktie und damit insgesamt 4,6 Milliarden Euro für die ehemalige Siemens-Tochter. Aber zum einen wurde die Annahmeschwelle von zuvor 62,5 auf 55 Prozent gesenkt. Zum anderen hat ein rivalisierendes Bieterduo aufgegeben: Die Finanzinvestoren Bain und Advent haben Osram mitgeteilt, kein Angebot mehr vorlegen zu wollen. Darauf können Osram-Aktionäre nicht mehr spekulieren.

Noch wichtiger ist ein dritter Punkt. Denn stand das Osram-Management unter Konzernchef Olaf Berlien dem Werben seines AMS-Amtskollegen Alexander Everke zuvor noch erkennbar skeptisch gegenüber, scheint das Eis auf oberer Managementebene nun gebrochen: AMS und Osram hätten in den vergangenen Tagen konstruktive Gespräche geführt, sagt Berlien. „Der Vorstand begrüßt die bisher erzielten Fortschritte und ist zuversichtlich, dass sich beide Seiten auf ein zukunftsfähiges strategisches Konzept verständigen werden“, erklärte er. Bislang hatten Berlien und seine Vorstandskollegen genau das bezweifelt.

Kritischer denn je ist allerdings die IG Metall. Die Gewerkschaft spricht vom erneuten Versuch einer feindlichen Übernahme. „Es entsteht der Eindruck, dass sich AMS total verrannt hat und dadurch bereit ist, unkalkulierbare Risiken einzugehen“, kritisiert der bei der Gewerkschaft für Osram zuständige Klaus Abel. Mulmig ist ihm zum einen wegen der hohen Verschuldung, die mit einer überwiegend kreditfinanzierten Übernahme von Osram durch AMS einhergehen würde.

Zum anderen bezweifeln Abel und Kollegen, dass die kleine AMS mit ihren 9000 Beschäftigten einen großen Konzern wie Osram mit 26 000 Mitarbeitern erfolgreich integrieren könnte. Die Angst um Jobs ist groß, zumal AMS bislang betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen will.

Mit der skeptischen IG Metall und Osram-Betriebsräten haben die Österreicher ihren neuerlichen Vorstoß auch nicht abgesprochen. Das sät weiteres Misstrauen. Abel kritisiert auch die Art und Weise des Vorgehens. Denn eigentlich verordnet das Wertpapierübernahmegesetz Unternehmen einjährige Sperrfrist für eine neuerliche Offerte, wenn eine Übernahme gescheitert ist. AMS hat aber einfach eine neue Bietergesellschaft gegründet, die nun pro forma Osram kaufen will, was die IG Metall als Trickserei und Verstoß gegen den Geist des Gesetzes wertet.

Falls die deutsche Finanzaufsicht sich nicht der Sichtweise der IG Metall anschließt und die neue AMS-Offerte ablehnt, wollen die Österreicher ihr Angebot spätestens Ende Oktober offiziell machen und Osram-Aktionären vier Wochen zum Verkauf ihrer Anteile geben. Kommt es dazu, stehen die Chancen für AMS mittlerweile nicht schlecht. Denn bei der zweiten, gescheiterten Offerte wurden dem Unternehmen aus Premstetten bei Graz immerhin knapp 52 Prozent der Anteile angeboten. Fast 20 Prozent hat AMS bereits über Finanzmärkte zugekauft.

Mit dem Aufgeben von Bain und Advent sowie ohne Widerstand des Osram-Managements könnte der dritte Anlauf nun gelingen. Thomas Magenheim-Hörmann

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