Ökostrom hängt die Kohle ab

von Redaktion

Deutschland ist weltweit Vorreiter bei der Energiewende – dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Doch ausgerechnet im wichtigsten Erneuerbaren-Bereich im deutschen Markt gibt es große Probleme.

VON ANDREAS HOENIG

Berlin – Erneuerbare Energiequellen aus Wind oder Sonne haben die Kohle beim Stromverbrauch abgehängt – die Windkraftbranche schlägt aber dennoch Alarm. Sie sieht bei einem anhaltend schleppenden Ausbau von Windkraft an Land tausende Jobs in Gefahr. Gebe es weiter Genehmigungsprobleme und einen schwachen Zubau neuer Anlagen, würden 27 Prozent der Arbeitsplätze in der Windenergiebranche bis 2030 verloren gehen. Das geht aus einer Analyse der Beratungsfirma Prognos im Auftrag des Fachverbands VDMA Power Systems hervor.

In den Kernbereichen der Onshore-Windenergiebranche seien derzeit rund 64 000 Menschen beschäftigt. Ganz anders dagegen sieht es laut Analyse aus, wenn Ziele der Bundesregierung erreicht werden – nämlich ein Ökostrom-Anteil am Stromverbrauch von 65 Prozent bis 2030 sowie ein schrittweiser Kohleausstieg bis 2038. In diesem Fall könnte die Zahl der Beschäftigten in der Windbranche bis 2030 um zehn Prozent steigen.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Ökostrom-Anteil auf einen Rekordwert. Erneuerbare Energien deckten zusammen 42,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland. Das ist ein Plus von fast fünf Prozentpunkten zum Vorjahreszeitraum. Zu diesem Ergebnis kommen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer ersten Auswertung.

In den ersten drei Quartalen seien insgesamt rund 183 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Quellen erzeugt worden. Damit lieferten die Erneuerbaren fast 50 Prozent mehr an Strom als Braun- und Steinkohle-Kraftwerke, die insgesamt rund 125 Milliarden Kilowattstunden produzierten. Im Vorjahreszeitraum lagen der Anteil der Erneuerbaren und jener der Kohle laut BDEW und ZSW noch fast gleichauf. Die stärkste Erneuerbaren-Quelle war Wind an Land, gefolgt von der Photovoltaik. In den vergangenen Jahren hatte es einen erheblichen Zubau von Windkraftanlagen und Solarparks gegeben, ermöglicht auch durch die Förderung der Politik und eine Subventionierung durch Stromkunden.

Der BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer sagte, die Rekordzahlen beim Öko-Stromanteil stünden im Kontrast zur dramatischen Situation beim Ausbau der Windenergie. „Aufgrund fehlender Flächen und immer restriktiverer Abstandsregelungen rutschen wir in eine regelrechte Rezession.“

Nach einer Analyse der Fachagentur Windenergie an Land gingen von Januar bis Ende September 2019 nur 148 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 507 Megawatt ans Netz. Dieser Wert sei in den vergangenen fünf Jahren jeweils schon im ersten Quartal erreicht worden. Aufgrund der Entwicklung sei davon auszugehen, dass der Gesamtzubau bis Jahresende die Schwelle von 1000 Megawatt nicht erreichen werde. In den Jahren 2014 bis 2017 lag der jährliche Zubau bei durchschnittlich 4600 Megawatt.

Die Krise am deutschen Markt könnte laut VDMA Power Systems auch zu einem drastischen Verlust des Exportgeschäfts führen. Denn weltweit boomt der Zubau der Windkraft an Land sowie auf See.

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