Ausnahmen für die Industrie: Stromkunden zahlen drauf

von Redaktion

Berlin – Ehe es billiger wird, wird es erst einmal teurer: Ab 2021 will die Regierung laut Klimapaket die EEG-Umlage zwar um 0,25 Cent je Kilowattstunde senken. Doch vorher steigt 2020 der Beitrag, den alle Verbraucher für den Ausbau der erneuerbaren Energien zahlen müssen, kräftig. Einer der Kostentreiber sind dabei die Ausnahmen für stromintensive Industrien.

Seit dem Wochenende sind die Schätzungen der Netzbetreiber für alle fünf Arten von Sonderumlagen bekannt, die zusammen rund ein Viertel der Stromkosten ausmachen. Den Rest bestimmten die Herstellungskosten, Netzentgelte und Steuern. Schon länger war klar, dass die EEG-Umlage um 0,351 Cent je Kilowattstunde auf insgesamt 6,756 Cent steigen wird. Ein Plus von 5,5 Prozent.

Einen weiteren kräftigen Impuls setzt nun die Teilbefreiung großer industrieller Stromkunden von Netzentgelten. Die sogenannte Paragraf-19-Umlage steigt um 17,4 Prozent auf 0,358 Cent je Kilowattstunde. Das geht aus Unterlagen der Netzbetreiber hervor, die unserer Zeitung vorliegen. Die teure (0,416 Cent) Offshore-Umlage bleibt gleich, während die KWK-Umlage für Kraft-Wärme-Kopplung sogar leicht um 0,054 Cent sinkt. Die Umlage für Abschaltungen erhöht sich leicht auf 0,007 Cent.

Laut einer Zusammenstellung der „Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung“ steigen alle Umlagen zusammen 2019 auf 7,763 Cent je Kilowattstunde. Das ist nach drei Jahren des regelmäßigen Rückgangs wieder ein kräftiger Sprung um 0,352 Cent nach oben und übersteigt das, was die Regierung an Senkungen plant, deutlich. Die Stromkunden könnte das bis zu 18 Euro im Jahr kosten.

Die Entlastung von inzwischen rund 5000 bis 6000 Firmen von den Netzentgelten wird von den Grünen heftig kritisiert. Es handele sich um „eine illustre Ansammlung von Unternehmen“, sagte ihr Fraktionsvize Oliver Krischer unserer Zeitung. Tatsächlich finden sich neben Metall- und Zementherstellern auch Schlachthöfe, Banken, Energiekonzerne und Lebensmittel-Discounter auf der Liste.

Die Regel war 2011 von der schwarz-gelben Regierung eingeführt worden, weil man dachte, dass nach dem Atomausstieg die Strompreise stark steigen würden. Jedoch haben sich die Strompreise an der Börse seit 2011 mehr als halbiert. WERNER KOLHOFF

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