KOMMENTAR

Teure Schlamperei

von Redaktion

WOLFGANG MULKE

Die Verluste, die Thomas-Cook-Kunden nun drohen, waren vermeidbar: Bei der Umsetzung der europäischen Vorgaben zum Verbraucherschutz bei Pauschalreisen hat die damalige Bundesregierung fahrlässig alle Warnungen in den Wind geschlagen und mit 110 Millionen Euro nur eine vergleichsweise geringe Mindestversicherungssumme festgelegt.

Der damalige SPD-Justizminister Heiko Maas folgte lieber dem Wunsch der Reisebranche, als dem der Verbraucherschützer. Die Verbraucherzentralen forderten damals einen mehr als doppelt so hohe Deckungsbetrag, ihr Wunsch blieb allerdings ungehört. Entweder hat die Bundesregierung die möglichen Dimensionen eines Großschadens nicht geprüft, oder aber in Kauf genommen, dass tausende Kunden viel Geld verlieren.

Das könnte sich nun als teure Schlamperei erweisen: Möglicherweise muss der Staat für die Deckungslücke haften, weil Deutschland die EU-Richtlinie nicht richtig umgesetzt hat. Das mag aus Sicht der betroffenen Kunden erfreulich sein, aus Sicht des Steuerzahler ist diese Aussicht ärgerlich.

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