Handwerk plant eigenes Verkehrskonzept

von Redaktion

Bayerns Handwerkern geht es glänzend. Aber Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl traut dem Frieden angesichts der eingetrübten Wirtschaftslage nicht mehr. Sorgen bereiten ihm auch wachsende Restriktionen im Straßenverkehr, die Handwerker behindern.

VON WOLFGANG DE PONTE

München – Auch wenn Handwerkskammerpräsident Franz Xaver Peteranderl skeptisch in die Zukunft blickt, aktuell kann er, wie schon in den letzten Jahren, fast durchweg positive Zahlen vermelden: Im dritten Quartal beurteilten 60 Prozent der 203 500 Betriebe in Bayern ihre Lage als gut, weitere 32 Prozent als befriedigend. Das ist noch einmal ein Prozent mehr als im Vorjahr. Die Auftragsbestände stagnierten zwar, aber auf hohem Niveau – die Auftragsbücher sind so voll, dass rein rechnerisch Kunden neuneinhalb Wochen auf einen Handwerker warten müssen. In der Baubranche sind es sogar zwölf Wochen.

Der Umsatz stieg im Zeitraum von Juli bis September gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent auf 32,2 Milliarden Euro. Ziehe man die Preissteigerung von aktuell gut drei Prozent ab, bleibe damit, so Peteranderl, im Schnitt ein reales Umsatzplus von 1,3 Prozent.

Erfreulich für Bayerns obersten Handwerker auch die Entwicklung bei den Investitionen. 40 Prozent der Betriebe nahmen Geld für die Zukunft in die Hand, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt gaben allein die rund 100 000 Betriebe in München und Oberbayern im dritten Quartal 285 Millionen Euro für Investitionsgüter aus. Das ist ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2018. Dazu passt, dass auch die Zahl der Beschäftigten im bayerischen Handwerk stieg – um 7000 auf 968 500.

Obwohl die Wohnungsbaugenehmigungen im Freistaat wie bundesweit zurückgingen, rechnet Peteranderl damit, dass die Bau- und Ausbaubetriebe sich noch zwei, drei Jahre auf dem aktuellen Niveau halten können. Die starke Binnennachfrage, niedrige Zinsen, geringe Arbeitslosigkeit und kräftige Lohnsteigerungen sorgten für Rückenwind. Allerdings „bekommen die Handwerke für den gewerblichen Bedarf immer stärker die Schwäche des deutschen Maschinenbaus und der Autoindustrie zu spüren“, sagte Peteranderl. „Mahnende Zeichen mehren sich.“

Die Schwäche der Industrie sorgt aber nicht nur für Sorgenfalten. Denn Beschäftigte, die sich bisher für den Weg in die Industrie entschieden, kehren nun vermehrt wieder ins Handwerk zurück. Dies sei aktuell insbesondere in Nordbayern zu beobachten – zum Beispiel bei Kugelfischer, Brose und Schaeffler. Und führe dazu, dass sich die Lage bei der Suche nach Fachkräften entspanne.

Die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken (etwa für Fliesenleger, Parkettleger) wertet Peteranderl als „klares Bekenntnis für mehr Verbraucherschutz und für ein starkes Handwerk.“ Er geht davon aus, dass bei der nächsten Gesetzesnovellierung in fünf Jahren weitere folgen. 2004 war in 53 Gewerken die Meisterpflicht abgeschafft worden.

Kritisch äußerte sich Peter-anderl über die vom Bundesverkehrsministerium geplanten Bußgelder von bis zu 100 Euro und Punkte für Parken in zweiter Reihe, auf Geh- und Radwegen. „Dass Liefern und Leisten nur noch möglich ist, wenn Vorschriften übertreten werden, das erzeugt Frust und Ärger“, sagte Peteranderl. In München komme auch noch die Einschränkung von Autoverkehr und Parkflächen dazu. Um das zu ändern, wollen die Handwerker der Stadt in Bälde ein eigenes Verkehrskonzept vorlegen. So kurz vor der Kommunalwahl stehen die Chancen besser als sonst, gehört zu werden.

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