Kirchheim – In sechs deutschen Großstädten ist der Fahrdienstvermittler Uber bereits unterwegs – jetzt wagt er sich auch aufs Land: In fünf Orten östlich von München bietet der US-Konzern nun Fahrten zum Festpreis von fünf Euro an, auch in den Nachbarort. Und nachts fahre Uber für 15 Euro nach München oder zurück, kündigte Deutschlandchef Christoph Weigler an.
Nur ein „Feigenblatt-Test fürs Image“, wie der Bundesverband Taxi kritisiert? Nein, sagte Weigler. Es sei vielmehr ein Test für ein neues Geschäftsfeld außerhalb der Metropolen: „Mit dem Pilotprojekt wollen wir verstehen, wie ein On-Demand-Fahrservice auch in weniger dicht besiedelten Regionen funktionieren kann.“
Damit die Bürger das Angebot ausprobieren, gibt’s Schnäppchenpreise: „Zum Start investieren wir dafür quasi in Marktforschung“, sagt der Manager. „Wie eine wirtschaftliche Kalkulation im Regelbetrieb aussehen könnte, wollen wir bei dem Projekt lernen.“ Daran setzt die Kritik des alteingesessenen Gewerbes an: „Marktverdrängung“ wirft Frank Kuhle, Vorsitzender des Landesverbands der Bayerischen Taxi- und Mietwagenunternehmer, Uber vor.
Er spricht von „Dumpingpreisen, die zu einem Monopol führen können“. 15 Euro für die Fahrt aus Kirchheim und München seien nicht wirtschaftlich. Schon die ehrliche Kalkulation für ein Privatfahrzeug ergebe höhere Kosten. Die Zusatzkosten für einen Mietwagen samt Fahrer seien darin gar nicht enthalten. Außerdem rechnet Kuhle damit, dass solche Angebote Fahrgäste der öffentlichen Verkehrsmittel abwerben werden. Das sei auch schlecht für die Umwelt.
Weltweit ist Uber in gut 700 Städten aktiv. „Das Kirchheim-Projekt hat auch für den Fahrdienst absoluten Modell-Charakter“, sagt Weigler. Der Test soll drei Monate laufen, neben Kirchheim und Poing nehmen auch die Gemeinden Aschheim, Pliening und Feldkirchen teil. Öffentliche Zuschüsse gebe es nicht, sagt ein Sprecher.
Modellprojekte im Harz und im Bayerischen Wald zeigen bereits, was mit den Land-Fahrdiensten läuft. „Im Prinzip hat hier jeder sein Auto vor der Tür“, sagt Markus Linkenheil, im niederbayerischen Freyung für den Klimaschutz zuständig.
Seit gut einem Jahr ist ein Kleinbus auf Abruf in der Bayerwald-Stadt unterwegs. Per App gibt der Kunde sein Ziel ein, der „Freyfahrt“-Bus holt ihn ab und fährt hin, für 2,90 Euro, auch bis Ahornöd oder Hinterschmiding. „Wir haben etwa 40 Personen, die das regelmäßig buchen“, sagt Linkenheil. Kein Geschäft: Ohne Förderung läge das „Defizit im Bereich von 10 000 Euro pro Monat“.
Der On-Demand-Ecobus im Harz hat Fahrgäste wegen der Umwege auch mal zu spät zum Bahnhof gebracht. Oder 45 Minuten zu früh. Anders als Uber oder der „Freyfahrt“-Bus sei der „Ecobus“ als Bestandteil des ÖPNV-Netzes angelegt worden, „für die letzte Meile“ zur Haustür oder umgekehrt von der Haustür zur Haltestation.
In Leipzig arbeiten Max-Planck-Forscher mit den Verkehrsbetrieben (LVB) zusammen. Im Norden der Stadt, wo der Stadtbus nur im Stundentakt fährt, bringen „Flexa“-Kleinbusse die Kunden seit Oktober auf Abruf zur gerade günstigsten Bus-,Tram- oder Bahn-Haltestelle. Das LVB-Ticket reicht.
Kann man damit auch Geld verdienen? „Nein“, sagt Michael Patscheke, Nahverkehrsexperte am Max-Planck-Institut für Dynamik. „Dass das ein profitables Geschäftsmodell wird, würde ich ausschließen.“
Wenn aber Autos in 15 Jahren fahrerlos unterwegs sind, schaut alles ganz anders aus: „Dann kann man damit reich werden“, sagt der Max-Planck-Experte. Uber plant bereits weitere Tests auf dem Land.
ROLAND LOSCH/ MARTIN PREM