Berlin – Gehaltserhöhungen für den Vorstand bei der Deutschen Bahn sind offenbar vorerst vom Tisch. Wie der Hessische Rundfunk und die „Rheinische Post“ berichteten, steht eine Anhebung der Vorstandsgehälter um 33 Prozent nicht mehr auf der Tagesordnung für die Sitzung des Aufsichtsrates am Donnerstag. In der Summe hätten die Anhebungen anderthalb Millionen Euro ausgemacht.
Der geplante Anstieg der Managergehälter hatte in der Öffentlichkeit Empörung ausgelöst, nachdem am Wochenende bekannt geworden war, dass für Teile des sechsköpfigen Bahn-Vorstandes das Gehalt von 400 000 Euro auf 585 000 Euro pro Jahr steigen soll. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte gegen die Pläne Stellung bezogen und von einem falschen Signal gesprochen.
Noch nicht überstanden ist für die Bahnführung indes auch die Affäre rund um Beraterverträge. In den Jahren 2008 bis 2018 hatte der Konzern ehemaligen Managern Beraterverträge in Millionenhöhe zugeschanzt.
Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, warnte in der „Augsburger Allgemeinen“ vor einem lähmenden Führungschaos bei dem bundeseigenen Konzern und kritisierte die Rolle von Vorstandschef Richard Lutz. „Der Bahnchef wird durch die Berateraffäre gelähmt, da kennen wir bislang nur die Spitze des Eisbergs“, sagte er der Zeitung. In der Affäre seien viele Fragen unbeantwortet.
Weselsky kritisierte zudem den Zustand der Bahn. „Es sind ja nicht nur die schlechten Zahlen, es ist das tägliche Erleben von hunderttausenden Reisenden“, sagte er. „Es werden Milliarden versenkt wegen ineffizienter Strukturen“, fügte er hinzu. „Wir haben zu viele Häuptlinge und viel zu wenig Indianer.“
Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet, der Gewinn der Bahn werde in diesem Jahr stark zurückgehen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern liege per Ende September mit 669 Millionen Euro für die Kernbereiche der Bahn um knapp 30 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.
Die Bahn stoppt indes vorerst den geplanten milliardenschweren Verkauf ihrer Auslandsverkehrstochter DB Arriva. Die zu erwartenden Erlöse lägen erheblich unter dem Buchwert, hieß es am Donnerstag im Umfeld des Konzerns. Der Verkauf sollte eigentlich zusätzliche Milliarden für die Eisenbahn in Deutschland bringen. Der Konzern hatte monatelang einen Käufer gesucht und parallel auch einen Börsengang als Plan B vorbereitet.
Zukunft des Finanzchefs unklar
Arriva betreibt Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern, macht aber gut 60 Prozent seines Umsatzes in Großbritannien, wo es auch seinen Sitz hat. Ein Börsengang birgt daher Risiken, weil nicht sicher ist, wann und wie Großbritannien wie geplant aus der EU austritt.
Ungewiss ist die Zukunft des zuständigen Vorstands Alexander Doll. Nach Medienberichten gibt es Bestrebungen, den Finanzchef abzulösen. Ein Bahnsprecher wollte sich zu Aufsichtsratsangelegenheiten nicht äußern.