Sind Elektroautos brandgefährlich?

von Redaktion

VON MARTIN PREM

München – Ein Unfall bei hoher Geschwindigkeit. Ein Tesla prallt gegen einen Baum und fängt Feuer. Der Fahrer kann nur mit großer Mühe aus dem Fahrzeug gerettet werden. Ein Horror-Szenario, das in Kössen knapp hinter der Grenze von Bayern nach Tirol Wirklichkeit wurde und viele beunruhigt hat. Geraten Elektroautos besonders leicht in Brand? Die Antwort ist nein. Im Fall der Fälle stellen sie aber Retter und Brandbekämpfer vor neue Herausforderungen

Gespeicherte Energie bedeutet Gefahr

Wo immer Energie chemisch gespeichert wird, gibt es ein Restrisiko, dass diese Energie freigesetzt wird und es in der Folge zu Bränden kommt. Eine massiv beschädigte Batterie kann ebenso einen Brand auslösen wie eine abgerissene Treibstoffleitung. Es gibt bisher keine Daten, die belegen, dass Batterie-Autos häufiger brennen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Warum Batterien brennen

Die Stromspeicherung in Batterien ist ein elektrochemischer Prozess. Bei Schäden kann es zu chemischen Reaktionen mit starker Hitzeentwicklung kommen. Außerdem sind Flüssigkeiten in den Batterien brennbar. Solche Brände gibt es nicht nur nach Unfällen. Lithiumionen-Batterien reagieren empfindlich auf zu hohe und zu niedrige Temperaturen oder auf Überladung. Auch abgestellte Elektroautos haben mehrfach Feuer gefangen.

Was man gegen die Brandgefahr tun kann

Die meisten Hersteller temperieren den Stromspeicher. Das beugt vor und verlängert auch die Lebensdauer. Wie Benzintanks sind die Akkus in möglichst sicheren Bereichen eingebaut: zwischen den Achsen. Früher waren Tanks meist im Heck von Autos zu finden. Deshalb ist bei Unfällen häufig Benzin ausgetreten, das Feuer gefangen hat. Immer wieder sind s bei Massenunfällen viele Opfer lebendig verbrannt, weil sie sich aus den Autos nicht mehr befreien konnten.

Wasser ist das beste Löschmittel

Einen Batteriebrand kann man mit allen gängigen Löschmitteln bekämpfen. Auch mit Wasser, das die Batteriezellen kühlt und damit die Ausbreitung des Brandes hemmt. Trotzdem kann es zu einem Dominoeffekt kommen, weil durch die Hitzeeinwirkung weitere Zellen zerstört werden. So können auch noch Stunden und sogar Tage nach einem Unfall neue Brandherde entstehen. Um diese Gefahr zu bannen, wurde der brennende Tesla in Wasser getaucht.

Warum das Löschwasser giftig ist

Bei Bränden von Lithiumionen-Batterien kann unter anderem Flusssäure entstehen. Das ist ein hochgiftiger und gleichzeitig ätzender Stoff. Deshalb gilt das Wasser nach dem Löschen auch als kontaminiert.

Kaum Gefahr durch die 400 bis 800 Volt

Elektroautos haben 400 bis 800 Volt Spannung an Bord. Die Hochvolt-Teile sind streng von der 12-Volt-Bordspannung getrennt. Die Karosserie ist mit keinem der beiden Hochvoltpole verbunden. Das reduziert die Gefahr. Bei vielen Autos – etwa dem BMW i3 – wird mit dem Auslösen auch nur eines Airbags die Stromzufuhr unterbrochen und die Hochvoltspannung auch aus stromführenden Teilen entladen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man sich beim Berühren der Karosserie bei einer Bergungsaktion einen lebensgefährlichen Stromschlag einfängt.

Keine Besonderheiten bei der Bergung

Wenn die Feuerwehr eingeklemmte Insassen befreien will, gibt es bei Elektroautos keine Besonderheiten. Bei jedem Autotyp zeigt eine Rettungskarte, wo man am besten ansetzt. Hochvoltleitungen werden nicht durch diese Bereiche geführt.

Wie fahrende Autos Feuer fangen

Auch fahrende Autos können anfangen zu brennen. Bei Verbrennungsmotoren sind seit dem Ende des Vergaser-Zeitalters oft heißgelaufene Turbolader die Ursache. Bei Elektroautos ist die größte Gefahr, dass auf der Fahrbahn liegende Teile – etwa heruntergebrochene Äste – mit so hoher Wucht gegen den Fahrzeugboden gewuchtet werden, dass Batteriezellen verletzt werden und in Brand geraten.

Erste Hilfe ist Pflicht

Wer an einer Unfallstelle vorbeikommt, ist zur Hilfe verpflichtet. Angst vor vermeintlichen Gefahren eines Elektroautos ist keine Ausrede. Außerdem kann man – etwa weil das Nummernschild beim Unfall abgerissen ist –nicht immer erkennen, ob es sich um ein Auto mit Benzin-, Diesel- oder Elektromotor handelt. Allerdings müssen Helfer sich nicht selbst in Gefahr bringen. Bei einem brennenden Auto kann es deshalb besser sein, zusätzliche Hilfe zu rufen und zuerst zu löschen. Und manche Gefahren verunfallter Autos werden überschätzt. Wer glaubt, vor einem brennenden Auto davonlaufen zu müssen, weil der Tank gleich explodieren könnte, ist einem verbreiteten Filmgag aufgesessen. Denn eine solche Explosion wirkt im Film spektakulär, ist ihn Wirklichkeit gar nicht möglich – es sei denn, es wäre Sprengstoff im Auto.

Artikel 5 von 5