Start frei für das neue Siemens

von Redaktion

Nach fulminantem Endspurt schafft Siemens seine Jahresprognosen. Mit dem Börsengang von Siemens Energy kündigt sich 2020 der finale Akt im Großumbau an.

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

München – Die Aneinanderreihung von Erfolgen klingt verdächtig nach persönlicher Schlussbilanz. „Ich hatte nicht vor, eine Abschiedsrede zu halten“, korrigiert Siemens-Chef Joe Kaeser jedoch diesen Eindruck. Zum siebten Mal legt der Manager, dessen Vorstandsvertrag Anfang 2021 endet, an diesem Donnerstag in München die Bilanz für ein Siemens-Geschäftsjahr vor. Nach einem Endspurt, den er selbst fulminant nennt, ist es ein gutes geworden, bei dem nun zum mittlerweile sechsten Mal in Folge alle Prognosen eingehalten werden.

Zudem kündigt sich im Herbst 2020 mit der Teilung des Konzerns per Börsengang des als Siemens Energy firmierenden Energiegeschäfts der Schlusspunkt des fundamentalen Konzernumbaus an. Es wäre ein guter Zeitpunkt zum Abtreten. Aber Kaeser spricht lieber über das Geschäft.

Das hat bei einer immer weiter eintrübenden Weltwirtschaft für Siemens im Geschäftsjahr 2018/19 (zum 30. September) ein immerhin dreiprozentiges Umsatzwachstum auf knapp 87 Milliarden Euro und einen doppelt so starken Anstieg des Auftragseingangs auf 98 Milliarden Euro gebracht. Weniger gut sieht es auf den ersten Blick beim Jahresüberschuss aus, der um acht Prozent auf 5,6 Milliarden Euro abgebröckelt ist. Wenn man aber 1,5 Milliarden Euro umfassende positive Sondereffekte im vorangegangenen Geschäftsjahr 2017/18 berücksichtigt, geht es bei Siemens auch mit der Profitabilität nach oben.

Eine operative Gewinnmarge von 11,5 Prozent wie 2018/19 hätten viele Siemens-Konkurrenten gerne. „Wir sind ein starkes Unternehmen“, sagt Kaeser. Börsianer sehen das offenkundig ähnlich. Nach der Vorlage der Jahresbilanz steigt der Aktienkurs um zeitweise gut fünf Prozent auf über 114 Euro.

„Genial“, kommentiert ein Analyst die aktuellen Siemens-Ergebnisse. Die Kraftwerksgeschäfte, die von großen Gasturbinen über Windkraftanlagen bis zur Stromverteilung reichen haben 2018/19 nur magere Renditen zwischen 3,8 und 4,7 Prozent erreicht. Sie unter das Dach eines neuen Konzerns namens Siemens Energy und dann im September 2020 an die Börse zu bringen, ist beschlossene Sache. „Es ist ein ambitionierter Zeitplan“, räumt Energy-Chef Michael Sen ein. Der 50-Jährige ist seit gerade einmal fünf Wochen im Amt und mit der Abspaltung der Siemens Energy vom Mutterkonzern Herr über 30 Milliarden Euro Umsatz, 70 Milliarden Euro Auftragsbestand und 88 000 Beschäftigte weltweit. Das ist ein Drittel aller Siemens-Umsätze und fast jeder vierte Job im sich teilenden Gesamtkonzern. Blickt man auf die Profitabiliät, bringt Siemens damit andererseits geballt seine Sorgenkinder an die Börse. Verkaufen kann man so etwas schlecht. Deshalb bucht Siemens die Aktien von Siemens Energy den bestehenden Aktionären schlicht ins Depot.

Für den Mutterkonzern, das industrielle Siemens, wie Kaeser die verbleibenden Kerngeschäfte nennt, sind die Perspektiven gut. Die Umsätze sollen erneut moderat, sprich um drei bis fünf Prozent zulegen. Für die Gewinne nennt der 62-Jährige einen Prognosekorridor, dessen Mitte ein vierprozentiges Plus bedeuten würde. Er sieht den Traditionskonzern nach der schon erfolgten Abspaltung des Geschäfts mit Medizintechnik als Siemens Healthineers und der kommenden von Siemens Energy an einem historischen Wendepunkt angelangt. „Siemens ist dann kein Konglomerat mehr“, sagt Kaeser mit Blick auf den Börsengang im Herbst 2020. Drei Siemens-Konzerne würden dann getrennt an der Börse notieren, verbunden durch wenig mehr als den Markennamen.

Analysten feiern Bilanz: „Genial“

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