Osram-Los hängt an Hedgefonds

von Redaktion

Drohung mit Kurssturz – Übernahmefrist läuft bis Donnerstag

München – Es naht die Woche der Wahrheit für Osram und seine 23 500 Beschäftigten. Bis nächsten Donnerstag Mitternacht haben dessen Aktionäre noch Zeit, auf das Kaufangebot des österreichischen Sensorherstellers AMS einzugehen. Vollends undurchsichtig geworden ist die Lage nun, weil immer mehr Hedgefonds per Aufkauf von Osram-Aktien aggressiv im Übernahmepoker mitmischen. „Sie haben sich einen großen Anteil gesichert, man kann von 35 bis 45 Prozent ausgehen“, sagt ein Insider.

Mit anderen Worten haben sich die Fonds in eine Position gebracht, wo sie das AMS-Angebot zum Scheitern bringen können. Denn für das besteht eine Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent. Da als sicher gilt, dass nicht alle Osram-Kleinaktionäre an AMS verkaufen, haben es die Hedgefonds damit in der Hand. Deshalb hat AMS nun bei ihnen eine Roadshow gestartet, um klarzumachen, was droht, falls sie zu hoch pokern. Kommt das im Vergleich zu Osram dreifach kleinere Unternehmen aus Premstetten bei Graz nicht auf die gewünschten 55 Prozent der Osram-Anteile, erlischt das Angebot. Es werde weder aufgestockt, noch die Annahmeschwelle gesenkt und auch sonst kein weiteres Angebot geben, stellt AMS-Chef Alexander Everke klar.

Hinter den Kulissen droht AMS dem Vernehmen nach sogar damit, bei einem Scheitern die knapp 20 Prozent der Osram-Anteile auf den Markt zu werfen, die man schon auf eigene Rechnung gekauft hat und damit einen Fall der Osram-Aktie ins Bodenlose zu provozieren. Dann säßen die Hedgefonds mit ihren Osram-Aktien auf satten Kursverlusten. Gezockt wird allseits mit harten Bandagen.

Die Fonds diskutieren nun untereinander, wie viele Osram-Aktien sie AMS anbieten müssen, um die Mindestannahmeschwelle möglichst knapp zu überspringen, verrät ein Insider. Denn klar ist auch, dass AMS Osram beherrschen will, wozu 55 Prozent nicht reichen. Dazu sind 75 Prozent nötig. Die fehlenden 20 Prozent wollen die Hedgefonds möglichst teuer an die Österreicher verkaufen.

Das über 110-jährige Traditionsunternehmen Osram ist vollends zum Spekulationsobjekt verkommen. Es schreibt mittlerweile tiefrote Zahlen und bereitet neuen Stellenabbau vor. Das wiederum treibt Belegschaft und IG Metall auf die Barrikaden. Sie fordern Osram-Aktionäre ihrerseits auf, nicht an AMS zu verkaufen, weil sie um Jobs, Standorte und Osram als Ganzes fürchten. Falls sich die Hedgefonds durchsetzen und Spekulationsgewinne einstreichen, mache das die Übernahme für AMS noch deutlich teurer als die bisher kalkulierten 4,6 Milliarden Euro, warnen Betriebsräte und Gewerkschafter. Die Finanzierung sei von AMS ohnehin auf Kante genäht. Die Österreicher würden unterstellen, dass eigene Gewinne unvermindert fließen und mit Osram rasch neue Gewinnpotenziale gehoben werden können, um sich zu entschulden. Das sei ein spekulatives Konzept, finden Osram-Betriebsrat und IG Metall. Die AMS-Gewinne seien zu 60 Prozent vom Hauptkunden Apple abhängig. Sollte der schwächeln oder andere Zulieferer bevorzugen, gehe das AMS-Kalkül nicht mehr auf. Dann drohe der Verkauf großer Osram-Teile und eine Zerschlagung als letzter Ausweg, um Geld in die Kasse zu bekommen. THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

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