Dingolfing – Die Rolle als größtes BMW-Werk hat Dingolfing zunächst an Spartanburg (USA) verloren. Auch in Shenyang (China) werden inzwischen mehr Autos gebaut. Doch jetzt bekommt Dingolfing wieder eine Leuchtturmfunktion: Es wird das erste Werk, das auf zwei Zukunftstechnologien ausgerichtet wird: Batterieelektrisches und vollautomatisches Fahren. 400 Millionen Euro muss der Konzern dafür in die Hand nehmen.
Auch in Dingolfing gilt wie in allen anderen Werken: Alles von einem Band. Benzin, Diesel, alle verfügbaren Hybrid-Varianten. Schon heute werden 5er, 7er und 8er nebeneinander produziert. ab 2021 wird zwischen den herkömmlichen Modellen immer wieder ein futuristischer iNext zu sehen sein, das erste Auto, das einen batterieelektrischen Antrieb hat und gleichzeitig fürs hochautomatisierte Fahren ausgerüstet ist.
Das ist nicht ganz einfach, denn diese Autos brauchen bestimmte Komponenten im Antriebsstrang gar nicht, dafür aber Batterien, Hochvoltkabel, Sensoren und Hochleistungsrechner. Damit das alles trotzdem in eine Fertigungslinie passt, musste bereits im Vorfeld das Gebäude erweitert werden. Nun werden nach und nach die aufgerüsteten Fertigungsanlagen aufgebaut.
Doch die Neuerungen betreffen nicht nur das weithin sichtbare Fahrzeugwerk BMW (intern Werk 2.40 genannt) im Westen der Stadt, die das Zentrum des niederbayerischen Automobilbaus ist. Auf dem Gelände befindet sich das Werk 2.20, in dem künftig der Elektromotor und der Hochvoltspeicher des iNext gefertigt werden. Und aus dem BMW-Werk 2.10 mitten in der Stadt kommen künftig Achsen und Getriebe.
Beide Werke gab es bereits lange bevor hier der erste BMW gebaut wurde. Es waren die Werke 1 und 2 des früher eigenständigen Autoherstellers Glas, der mit seinem Goggomobil wie kaum ein anderer zur Massenmobilität in Nachkriegsdeutschland beigetragen hatte, bevor er 1966 von BMW übernommen wurde. Die beiden traditionsreichen Fabriken werden Zentren für künftige Antriebstechnologien. Dingolfing bleibt damit der mit 18 000 Mitarbeitern und 600 Auszubildenden größte BMW-Fertigungsstandort in Europa. Dort liefen 2018 fast 330 000 Autos vom Band. MARTIN PREM