Frankfurt – Die deutsche Wirtschaft sieht die Zuspitzung des Konflikts zwischen den USA und Iran mit Sorge: „Das ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor, dessen wirtschaftliche Auswirkungen nur schwer abzuschätzen sind“, erklärte gestern der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann. „Fakt ist, dass die Region für die Weltölversorgung von maßgeblicher Bedeutung ist und somit jeder Vorfall Unruhe mit sich bringt.“
Eine weitere Eskalation könnte die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung von Volkswirten empfindlich treffen. Sollte es zu einem Krieg in der Region kommen, könnte sich Erdöl als Schmierstoff der Weltwirtschaft drastisch verteuern.
„Der Ölpreis würde in die Höhe schießen und läge ganz schnell über 100 Dollar“, prognostizierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Das wäre ein Ölpreisschock, der die Weltwirtschaft und natürlich die deutsche Wirtschaft in die Knie zwingen würde. Aber damit rechnen wir nicht.“
Es sei entscheidend, wie sich die Lage im Nahen Osten nun entwickele, analysierte ifo-Präsident Clemens Fuest. Im Falle einer weiteren Eskalation könne es zu einer „längeren Unterbrechung der Ölexporte“ aus der Region kommen. „Da dort rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots herkommt, würde das zu einem deutlichen Ölpreisanstieg führen, mit negativen Folgen für die europäische und deutsche Konjunktur“, warnte Fuest.
Aus deutscher Produktion gehen vor allem Maschinen und Anlagen in die Region am Persischen Golf, aber auch Fahrzeuge und Fahrzeugteile. Der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier, sagte: Die jüngste Zuspitzung mache wenig Hoffnung, „dass sich die Geschäftsperspektiven und Investitionsabsichten deutscher Unternehmen auf der Arabischen Halbinsel und im Nahen Osten bald wieder bessern“.
Einen sprunghaften Anstieg der Energiepreise in Deutschland erwarten Experten zunächst nicht. „Die Ölversorgung Deutschlands ist ungeachtet der aktuellen Vorfälle weiterhin gesichert“, betonte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes.
Im Jahr 2018 seien von 85,2 Millionen Tonnen Ölimporten nach Deutschland 0,3 Prozent aus dem Iran gekommen, aus dem Irak 3,0 Millionen Tonnen oder 3,5 Prozent. Am Mittwoch zogen die Ölpreise vorübergehend sprunghaft an und erreichten zeitweise den höchsten Stand seit mehreren Monaten.
Die Finanzmärkte präsentierten sich am Mittwoch zunächst zurückhaltend. Nach anfangs heftigen Reaktionen beruhigten sie sich aber wieder. Nach versöhnlichen Tönen aus Washington baute der Dow Jones seine Gewinne sogar aus.