Industrie drückt das Wachstum

von Redaktion

VON THOMAS KAUFNER

Berlin – Kauflust und Bauboom haben die deutsche Wirtschaft 2019 vor einer Vollbremsung bewahrt. Trotz schwächelnder Exporte und einer Rezession in der Industrie legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,6 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Das war besser, als von Ökonomen erwartet – aber weniger als 2018 und 2017 mit 1,5 und 2,5 Prozent. Ähnlich schwach war das Wachstum zuletzt vor sechs Jahren.

Das vergangene Jahr war das zehnte Wachstumsjahr in Folge seit 2010. Damals musste sich Europas größte Volkswirtschaft von der tiefen Rezession 2009 infolge der globalen Finanzkrise erholen. Auch der Jahresausklang stimmt vorsichtig optimistisch: Die Statistiker sprachen von „Anzeichen einer leichten Erholung“.

Mit einer durchgreifenden Besserung rechnen Volkswirte nicht. Ökonomen der Commerzbank erwarten „weiter eine blutleere Aufwärtsbewegung“. Volkswirte der Allianz gehen davon aus, dass erst ab 2021 der anziehende Welthandel das Wachstum in Deutschland wieder auf ein solideres Fundament stellen dürfte.

Massiv gebremst wurde die Konjunktur im vergangenen Jahr von der Industrie, die gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht. Deren Wirtschaftsleistung (ohne Bau) brach um 3,6 Prozent ein. „Insbesondere die Automobilindustrie trug zu diesem Rückgang bei“, bilanzierten die Statistiker. Auch Maschinenbau, Elektro- und Chemieindustrie haben zu kämpfen. Nach Schätzung des Ifo-Instituts hat allein der Einbruch in der Automobilindustrie das Wachstum um 0,75 Prozentpunkte gedämpft.

Die Kauflust der Verbraucher wird seit Jahren von relativ guten Tarifabschlüssen, niedriger Inflation, geringen Zinsen und Rekordbeschäftigung getragen. Der private Konsum steht für über 52 Prozent der Wirtschaftsleistung von gut 3,4 Billionen Euro. Auch die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem Sozialleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten zu – mit plus 2,5 (Vorjahr: 1,4) Prozent sogar sehr kräftig.

Von der immer noch wachsenden Wirtschaft und den anhaltend niedrigen Zinsen profitiert auch der Fiskus. Der deutsche Staat hat 2019 zum sechsten Mal in Folge deutlich mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen machte unter dem Strich 1,5 Prozent des BIP aus oder – 49,8 Milliarden Euro.

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