Frankfurt/München – Mit Spielgeld auf dem Oktoberfest oder am Kiosk bezahlen: Vor allem bei jungen Menschen scheinen nachgeahmte Banknoten beliebt zu sein, die eigentlich im Theater, in Filmen oder bei Zaubershows verwendet werden. Seit Mitte 2019 stellen Behörden europaweit zunehmend sogenanntes Movie Money sicher. Die Bundesbank warnt eindringlich vor missbräuchlicher Verwendung: „Movie Money ist für jeden erkennbares Spielgeld. Wer es im Zahlungsverkehr einsetzt, wird leicht erwischt und begeht eine Straftat“, betont Vorstand Johannes Beermann.
Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) ist „Movie Money“ seit Anfang vergangenen Jahres im Umlauf. In Deutschland sei – auf niedrigem Niveau – im zweiten Halbjahr 2019 ein „deutlicher Anstieg feststellbar“ gewesen. Die Wiesbadener Behörde stellt klar: Derartige Scheine wiesen „keinerlei Imitationen der Sicherheitsmerkmale“ auf und fühlten sich zudem anders an als echte Banknoten. Das Fazit des BKA: „Mit einer Prüfung nach dem Prinzip Fühlen-Sehen-Kippen sind derartige Noten sofort zu erkennen und von echten Banknoten zu unterscheiden.“
Dennoch versuchten zwei Brüder auf dem Oktoberfest in München, in einem Festzelt mit einem solchen „20-Euro-Schein“ zu bezahlen. Die Bedienung erkannte die Blüte und alarmierte die Polizei. Im oberbayerischen Weilheim verteilte ein Schüler kurz vor Weihnachten Filmgeld an seine Mitschüler.
Im November kaufte in Duisburg ein Jugendlicher mit dem Spielgeld in einem Kiosk Zigaretten und flüchtete anschließend. Anfang 2020 tauchten in einer Gesamtschule in Gronau sechs falsche Fünfziger auf. Hergestellt werden die Scheine mit Aufdrucken wie „Prop Copy“ dem Landeskriminalamt (LKA) Bayern zufolge meist in Asien. Sie lassen sich für wenig Geld im Internet besorgen.
Insgesamt zeigen die Anstrengungen von Europas Währungshütern für mehr Sicherheit von Euro-Banknoten jedoch Wirkung: Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Fälschungen weiter – sowohl in Europa als auch in Deutschland. 559 000 falsche Euro-Scheine zogen Polizei, Handel und Banken nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) aus dem Verkehr – das waren 4000 Blüten weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2013 (670 000 Fälschungen).
In Deutschland verringerte sich die Zahl der Euro-Blüten nach Angaben der Bundesbank von gut 58 000 im Vorjahr auf 55 159 Stück. Bundesbank-Vorstand Beermann führt den Rückgang darauf zurück, dass die Notenbanken seit 2013 eine zweite Serie von Euro-Scheinen mit neuen Sicherheitsmerkmalen in Umlauf gebracht haben, mit denen sich Geldfälscher schwertun: „Die Banknoten werden mit jeder neuen Serie sicherer. Wir sind den Spitzbuben immer ein paar Schritte voraus“, sagt Beermann.
Geldfälscher tun sich vor allem schwer mit dem durchsichtigen Porträtfenster und der Smaragdzahl, die beim Kippen des Scheins die Farbe ändert. Bei den neuen 100- und 200-Euro-Scheinen gibt es zudem ein „Satelliten-Hologramm“, in dem sich kleine Euro-Symbole bewegen. „Im Grunde erkennt man Fälschungen sehr leicht. Die Fälscher kriegen nur eine Imitation der echten Scheine hin“, bilanziert Beermann. Aber sie versuchen es: Im November tauchte in Baden-Württemberg die erste Fälschung des neuen 100-Euro-Scheins in Deutschland auf. Doch allein das dickere Papier der Falschnote enttarnt diese beim Anfassen.
Vergleichsweise hochwertiges Falschgeld aus der Druckerpresse ist dagegen nicht so häufig. Allerdings fallen immer wieder Menschen auf Kriminelle herein. Trickbetrüger machten einer Frau aus Unna weis, ihr abgehobenes Geld sei verhext. Mit einem Tuch sollten die Banknoten gereinigt werden. Dabei tauschten die Betrüger das Geld gegen wertlose Scheine mit dem Aufdruck „Souvenir Produktion“ aus. Schaden: 30 000 Euro.