München – Längst hat Künstliche Intelligenz, kurz KI genannt, in unseren Alltag Einzug gehalten – ob als Handy-Assistent, in Übersetzungssoftware oder in Robotern, die rasenmähen oder staubsaugen. Doch der Einfluss von KI geht über diese Alltagsanwendungen weit hinausgehen. Sie krempelt ganze Branche um – von der Medizintechnik über die Unterhaltungsindustrie bis hin zum Finanzwesen.
Laut dem McKinsey Global Institute soll Künstliche Intelligenz bis 2030 für ein zusätzliches globales Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozentpunkten pro Jahr sorgen. Zum Vergleich: Bei der Dampfmaschine waren es gerade Mal 0,3 Prozentpunkte. „Grundlage dieser Entwicklung sind preiswerte Speicherkapazitäten, Cloud-Lösungen und die immer weiter steigende Geschwindigkeit der Prozessoren“, erklärt Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. „Dadurch sind der Verarbeitung von Daten heute praktisch keine Grenzen mehr gesetzt.
Wie stark die Kosten gesunken sind, zeigt eine Berechnung von der Société Générale: Demnach kostete eine Gigabyte-Festplatte in den 1980er Jahren noch 200 000 Dollar. Im Jahr 2010 waren es nur noch 0,05 Dollar. „Dazu kommen die gewaltigen Datenmengen, die wir zur Verfügung haben und die Lernfähigkeit der Maschinen, womit Computer heute Aufgaben übernehmen können, die bislang von Menschen erledigt wurden“, so Naumer weiter. Entsprechend hoch sind die Wachstumsprognosen. So soll der Umsatz mit KI von derzeit vier Milliarden Dollar weltweit bis 2025 auf fast 60 Milliarden Dollar.
Firmen, die in technologischer Hinsicht in diesem Bereich führend sind, bietet sich ein gewaltiger Markt. Ein Beispiel für eine solche Technologiefirma ist der Grafikarten-Hersteller Nvidia. Die Aktien des Unternehmens legten in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 1700 Prozent zu. Aber nicht nur Technologiefirmen profitieren. Sondern auch jene Unternehmen aus anderen Branchen, die KI einsetzen und dadurch innovativer und effizienter werden und sich Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Konkurrenten erarbeiten. Also Autohersteller, Banken oder Maschinenbauer.
Kein Wunder, dass die Finanzindustrie den Trend erkannt und KI-Fonds aufgelegt hat. Zu den Pionieren zählt der Allianz Global Artificial Intelligence, der im März 2017 auf den Markt kam. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Fonds 31 Prozent zu. Und er ist derzeit zu über 91 Prozent in den USA investiert, wobei Titel wie On Semiconductor oder Facebook zu seinen Top-Holdings zählen.
Doch nicht alle KI-Fonds haben die gleiche Ausrichtung. So ist der Echiquier Artificial Intelligence, der rund 42 Prozent auf Jahressicht im Plus liegt, nur zu rund 70 Prozent in den USA investiert, während Aktien aus China etwa 16 Prozent am Portfolio ausmachen. Größte Position ist hier die US-Firma Alteryx.
Allerdings kann ein Investment in Themenfonds auch einen Haken haben: „Gerade Technologieaktien sind in den vergangenen Jahren deutlich im Kurs gestiegen sind und haben einen entsprechend hohen Anteil in den US-Aktienindizes“, sagt Fondsanalystin Barbara Claus von Scope. „Wer jetzt noch einen KI-Fonds dazu nimmt, hat möglicherweise eine viel höhere Gewichtung des Tech-Sektors als gewünscht.“ Außerdem könne der Zeitpunkt bei Themeninvestments problematisch sein. „Solche Produkte kommen meist auf den Markt, wenn die Aktien in dem Bereich schon sehr gut gelaufen sind“, sagt Claus. Auch könnten Themenfonds recht teuer sein.
Kostengünstigere Exchange Traded Funds (ETFs), die speziell in KI investieren, könnten daher eine Alternative sein. Mit einem Plus von rund 32 Prozent auf ein Jahr kann sich zum Beispiel auch die Performance des Amundi Stoxx Global Artificial Intelligence sehen lassen.
Das Besondere: Der Stoxx-AI-Index, der dem ETF zugrunde liegt, verwendet als wichtigstes Auswahlkriterium die Zahl der eingereichten KI-Patente. Damit sollen führende Unternehmen im Bereich der KI identifiziert werden. So ergibt sich ein recht breit gestreutes Portfolio von 265 Aktien, zu dem auch Namen wie Tesla, Softbank oder Hitachi zählen.
Allerdings sollten Anleger nicht vergessen, dass der gesamte Technologiebereich zuletzt sehr gut gelaufen ist. Wer also jetzt einsteigt, muss womöglich mit einer Korrektur rechnen. Daher ist es wichtig, dass Anleger ein KI-Investment ihrem Portfolio lediglich beimischen – am besten mit einem Sparplan.