Frankfurt – Trotz eines hohen Verlustes von 5,7 Milliarden Euro ist Deutsche-Bank- Chef Christian Sewing mit der Entwicklung zufrieden. „Wir sind auf einem guten Weg, unsere Strategie greift“, sagt er bei der Präsentation der Jahreszahlen in Frankfurt. Im eigentlichen Bankgeschäft habe man vor Steuern einen Gewinn von gut einer halben Milliarde Euro erzielt. Das betrachten er wie auch die übrigen Vorstände als so gut, dass sie auch für 2019 einen Bonus annehmen. Allerdings wollen sie auf einen Teil verzichten. Das sei der Beitrag des Managements, so Sewing, zu den schmerzhaften Einschnitten, denen im vergangenen Jahr 4100 Stellen zum Opfer gefallen sind. Bis Ende 2022 sollen weitere 14 000 Arbeitsplätze gestrichen werden. „Wir halten damit die Balance“, betont Sewing. Eigentlich wäre es dem Vorstand erlaubt gewesen, den gesamten Bonus zu nehmen, weil alle Ziele erreicht worden seien.
Insgesamt erhält der Vorstand damit zusätzlich zum Grundgehalt Bonuszahlungen in Höhe von rund 13 Millionen nach knapp 26 Millionen für 2018. Auch den Beschäftigten werden wieder Erfolgsprämien gewährt, allerdings weniger als im Vorjahr. Da hatten sie bei insgesamt 1,9 Milliarden Euro gelegen. „Der Topf wird allein schon wegen des Personalabbaus kleiner ausfallen“, sagt Sewing. Aber die Deutsche Bank müsse wettbewerbsfähige Vergütungen zahlen.
Unter dem Strich verbucht die Deutsche Bank 2019 das fünfte Verlustjahr in Folge. Seit 2015 summieren sich die Einbußen mit allen Aufwendungen für Sanierungsschritte und Rechtsstreitigkeiten auf rund 15 Milliarden Euro. Für das laufende Jubiläumsjahr – die Deutsche Bank feiert im März ihr 150-jähriges Bestehen – gibt Sewing keine Prognose. Analysten erwarten allerdings erneut ein Minus von mehr als einer halben Milliarde Euro. Erst 2021 rechnen sie wieder mit einem Netto-Gewinn von knapp einer Milliarde Euro.
Sewing macht für den hohen Verlust allein die von ihm im vergangenen Jahr angestoßene „radikalste Transformation der Deutschen Bank seit zwei Jahrzehnten“ verantwortlich. Drei Milliarden Euro entfallen danach auf Umbaukosten, Wertberichtigungen und Abfindungen. Weitere 2,8 Milliarden Euro kommen aus Bewertungsanpassungen bei Steueransprüchen. Damit habe man bereits 70 Prozent der bis 2022 angefallenen Sanierungskosten gebucht, so Sewing. 4100 Stellen hat die Bank 2019 abgebaut auf jetzt noch knapp 87 600 weltweit. Ende März 2019 waren es hierzulande noch 41 600.
Sewing versichert, dass die Bank den Umbau aus eigener Kraft stemmen werde. Mit Blick auf das Kapital sei man solider ausgestattet als die meisten Wettbewerber in Europa und in den USA. „Insgesamt haben wir unser Geschäft erfolgreich stabilisiert. Wir kommen bei der Transformation schneller voran als gedacht und agieren dabei von einer äußerst stabilen Basis.“
Auf dem Weg nach vorne wird das künftige Aufsichtsratsmitglied Sigmar Gabriel, ist Sewing überzeugt, eine wichtige Hilfe sein. „Wenn man die Chance hat als globales Institut, jemanden in den Aufsichtsrat zu bekommen, der über ein solches Netz und das global verfügt, kannst du nur profitieren. Der Rat eines solchen Mannes tut der Deutschen Bank sehr, sehr gut“, sagte er.