Mountain View – Als vor 15 Jahren Google Maps online ging, wusste noch niemand, wie allgegenwärtig der Kartendienst einmal werden sollte. Heute stecken Smartphones und damit fast immer auch Google Maps in fast jeder Hosentasche. Mit GPS-Positionsdaten kann man sich kaum noch verirren. Staus werden in Echtzeit angezeigt. Satellitenfotos und Aufnahmen aus den Kameras der Street-View-Autos zeigen die Umgebung, der Dienst ist zum Reiseführer geworden.
16 Millionen Kilometer abfotografiert
Die Strecken, die Google für seine Maps abfotografiert hat, entsprechen rund 400 Umrundungen der Erde. Insgesamt bilden die Bilder etwa 16 Millionen Kilometer Wegstrecke ab. Für den Konzern hat sich der Aufwand gelohnt: Mit den am 8. Februar 2005 gestarteten Google Maps wurde die reale Welt mit dem digitalen Abbild verknüpft. So entstand ein gigantisches Branchenbuch, das die Werbeplattform von Google anreichert – und bei etlichen Datenschützern große Bedenken hervorruft.
Inzwischen sind Einträge in Google Maps hart umkämpft, denn zusammen mit den Online-Bewertungen können sie einen Kundenstrom ins Geschäft, Hotel oder Restaurant lenken.
Entstehung des Dienstes per Zufall
Digitale Karten gab es schon vor 2005 – und es waren drei Zukäufe, mit denen sich Google die nötigen Bausteine für den Start des Projektes besorgte. Chris Sacca, der damals bei Google arbeitete, erinnerte sich später, wie Google-Mitgründer Sergey Brin 2003 eine Konferenz von Führungskräften entgleisen ließ, weil er den Satellitenbilder-Dienst der Firma Keyhole auf seinem Laptop herumzeigte. Statt zuzuhören, wollten alle sehen, wie man auf ihre Häuser aus dem All reinzoomen kann, erzählte Sacca dem Blog „Recode“. Google kaufte den Dienst.
Die Firma Where2 Technologies hatte die Idee, für Routenanweisungen Karten auf dem Computerbildschirm nachzubilden – und bei Bedarf nötige Informationen aus dem Web nachzuladen. Und das Start-up Zipdash besorgte sich Verkehrsdaten, um voraussichtliche Ankunftszeiten und Verzögerungen auf der Strecke anzuzeigen. Alles bekannte Funktionen heutiger Karten – bei Google wurden sie in einem Dienst zusammengebracht.
Google Maps wurden zunächst zu den meistbenutzten Karten auf dem Computerbildschirm. Als Apple 2007 das iPhone auf den Markt brachte, wurden sie vorinstalliert – und auf Smartphones mit dem Google-System Android sowieso. Den Wettbewerbern entging das nicht: Nokia kaufte 2007 den Kartenanbieter Navteq. Und der niederländische Navigationsgeräte-Spezialist TomTom schnappte sich nach einem Wettstreit mit der US-Firma Garmin den zweiten großen Kartenlieferanten TeleAtlas.
Start der Kamerafahrten
Google ging indes dazu über, auch eigene Kartendaten mit Kamerafahrzeugen zu sammeln. Daraus ging auch der Dienst Street View mit Fotos von Straßenzügen hervor. In den Industrienationen biss Google bei Street View nur in Deutschland auf Granit: Datenschützer erzwangen 2010, dass betroffene Bürger, Firmen und Organisationen die Straßenaufnahmen ihrer Häuser verpixeln lassen konnten. Das führt bis heute dazu, dass die Straßenzüge in Deutschland nicht mit aktuellen Fotos in Google Maps zu sehen sind. Zwar fahren seit August 2017 Kamerafahrzeuge von Google wieder durch Deutschland. Die Aufnahmen werden aber nicht veröffentlicht, sondern dienen nur der Aktualisierung von Stadt- und Straßenplänen.
Landkarte wird zur Werbeplattform
Für Google sind die Karten zu einer weiteren Werbeplattform geworden. Seit 2016 gibt es Kartenmarker von Geschäften, die auf der Karte hervorgehoben werden, weil die Inhaber dafür bezahlen. 2021 könnte Googles Kartendienst Erlöse von bis zu 3,6 Milliarden Dollar einbringen, schätzte Analyst Mark Mahaney von der Bank RBC.
Kampfansage von Apple
Apple löste sich 2012 von Google Maps mit einem eigenen Kartendienst. Die Premiere ging zunächst schief, weil der iPhone-Hersteller den Aufwand unterschätzt hatte, Geodaten und Satellitenbilder aus unterschiedlichen Quellen zu einem homogenen Dienst zusammenzuführen. Inzwischen sind die Apple-Karten durchaus brauchbar – und der iPhone-Hersteller schickte vergangenes Jahr seine Kamerawagen auch nach Deutschland.
Autobauer wie BMW setzen auf Here
Nokia verkaufte derweil seinen Kartendienst an Audi, BMW und Daimler – die Autobauer wollen den Service unter dem Namen Here zu einem führenden Lieferanten von präzisen Karten für Roboterautos ausbauen.
OpenStreetMap kratzt an Googles Vormacht
Insbesondere in Deutschland stellt sich eine Heerschar von Freiwilligen der Vormachtstellung von Google entgegen: Ähnlich wie bei Wikipedia liefern Freiwillige Daten. Inzwischen vermessen rund eine Million „Mapper“ die Landschaft für OpenStreetMap (OSM). Dank einer flexibleren Lizenzform können die OSM-Karten auch in kommerzielle Projekte eingebunden werden. So nutzt etwa Facebook OSM-Daten.