Notenbanken ziehen an einem Strang

von Redaktion

Zentralbanken rund um den Globus zeigen sich zur Freigabe frischen Geldes bereit, um den Märkten in Zeiten von Pandemie-Sorgen Auftrieb zu geben. Bitter für Sparer: Die Zinsen dürften weiter sinken.

VON FINN MAYER-KUCKUK

Frankfurt – Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus rund um den Globus alarmiert die Notenbanken. Die Aktienmärkte sind abgestürzt, die Sorgen vor einem Einbruch der Konjunktur sind groß. Einzelne Zentralbanken – darunter auch die mächtige US-Notenbank – haben bereits mit Stützungsaktionen begonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England beließen es bislang bei verbalen Versicherungen, dass sie notfalls zum Handeln bereit wären. „Die Notenbanken der G7 sind entschlossen, ihrer Verantwortung für Wachstum und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems nachzukommen“, teilte das US-Finanzministerium mit, das eine Telefonkonferenz der Finanzminister und Währungshüter der sieben G7-Volkswirtschaften organisiert hatte.

Kurz darauf reagierte der Chef der amerikanischen Zentralbank, Jerome Powell, bereits mit einer Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte. Das ist bemerkenswert, weil Powell sich noch vor Kurzem entschlossen gezeigt hat, auf eine Normalisierung der Zinsen auf einem höheren Niveau hinzuarbeiten.

Die japanische Zentralbank hatte zuvor bereits angekündigt, die „weitere Entwicklung zu beobachten und ausreichend Liquidität bereitstellen“ zu wollen. Da sich die Zinsen dort nicht mehr senken lassen, reagierte die Bank mit dem Ankauf von Staatsanleihen im Wert von vier Milliarden Euro. So pumpt sie Geld ins Finanzsystem. Auch die Bank of England versprach unterdessen, „alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs zu unterstützen“. Die Zentralbanken von Australien und Malaysia haben ihre Zinsen bereits gesenkt. Die kanadische Notenbank senkt ebenfalls – erstmals seit mehr als vier Jahren – den Leitzins. Der Satz werde um 0,5 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent reduziert, gab die Notenbank gestern bekannt.

Die Möglichkeiten der EZB

Die Leitzinsen im Euroraum liegen bereits bei Null, die Einlagenzinsen sogar im negativen Bereich. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet dennoch damit, dass die EZB ihre Geldpolitik vermutlich bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche weiter lockern wird.

. Anleihenkäufe

Die Notenbank könnte ihre Anleihenkäufe von derzeit 20 Milliarden Euro monatlich erhöhen. Birgit Henseler, Analystin bei der DZ Bank, hält eine Verdoppelung auf 40 Milliarden Euro pro Monat für denkbar. Darunter könnten vermehrt auch Unternehmensanleihen sein.

. Einlagenzins

Zudem könnte die EZB ihren Einlagenzins von derzeit minus 0,5 Prozent weiter senken. Im Gespräch ist ein Satz von minus 0,6 Prozent.

. Kredithilfen

Gezielte Kredithilfen für Unternehmen wären eine weitere Möglichkeit, Geld in den Kreislauf zu pumpen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde möchte für eine geldpolitische Reaktion auf das Virus jedoch Konsens im EZB-Rat haben. Im Rat sitzen die Präsidenten der Zentralbanken der Eurozone plus die Direktoren der EZB. Auch Bundesbankchef Jens Weidmann hat dort eine Stimme. Er gilt als Gegner einer immer üppigeren Freisetzung von Zentralbankgeld. „Der EZB-Rat darf den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nicht aus dem Blick verlieren“, sagte er. Die Ökonomen der DZ Bank sehen in dem neuen Coronavirus durchaus eine ernste Gefahr für die Weltkonjunktur. Im wahrscheinlichsten Szenario fällt das globale Wachstum in diesem Jahr rund einen Prozentpunkt niedriger aus als bisher erwartet. Wenn die Krise schneller und stärker auf die Wirtschaft durchschlägt, dann können der Prognose zufolge auch zwei Prozentpunkte Wachstum verloren gehen. „Deutschland wäre auf jeden Fall besonders stark betroffen“, sagt Henseler. „Es hat eine sehr offene, weltweit vernetzte Wirtschaft und hängt stark vom Export und vom Funktionieren der Lieferketten ab.“

Konzertierte Aktien haben Tradition

Gemeinsame Aktionen von Zentralbanken und Finanzministern gab es auch in der Vergangenheit immer wieder. Schon 1968 taten sich Notenbanker zu einer „konzertierten Aktion“ zusammen, um Gefahren für das damalige Währungssystem zu bekämpfen. Im Jahr 1987 haben sie versucht, einen Absturz des Dollar aufzuhalten. Im Europäischen Währungssystem, dem Vorläufer des Euro, waren sie fast die Regel, um die Wechselkurse zu halten. Spektakulär waren die gemeinsamen Zinssenkungen nach der Finanzkrise von 2008. Seitdem hängen die Zinsen rund um den Globus im Keller.    mit Material von dpa

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