München – Der Zahlungsdienstleister Wirecard sieht sich von Manipulationsvorwürfen weitgehend befreit. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe große Teile einer Sonderprüfung der Geschäfte abgeschlossen und keine substanziellen Hinweise auf unsauberes Geschäftsgebaren gefunden, erklärte der Dax-Neuling aus Aschheim bei München in einer Pflichtmitteilung an die Börse. An der Börse sorgte das für eine sofortige Reaktion. Um fast ein Drittel schoss der Wert der Aktie zunächst nach oben, bevor er in den Wirren der Coronakrise mit dem ganzen Aktienmarkt wieder nach unten gezogen wurde. Er lag damit aber immer noch weit besser als jedes andere Dax-Papier.
Vollständig reingewaschen ist Wirecard jedoch noch nicht. Denn den Teil der Bilanzen, die das besonders undurchsichtige Dritt-Partnergeschäft zum Beispiel in Dubai betrifft, konnte KPMG bislang noch nicht abschließend unter die Lupe nehmen. Das sei Reiserestriktionen in Folge des Coronavirus geschuldet, erklären die Aschheimer.
Die KPMG-Prüfungen würden sich deshalb voraussichtlich bis 22. April verzögern. Weil Wirecard aber zur diesjährigen Bilanzvorlage einen vollständigen KPMG-Prüfbericht vorlegen will, wird nun die eigentlich für 8. April geplante Bilanzpressekonferenz auf den 30. April verschoben. Schon voriges Jahr hatte es zu diesem Anlass eine Verschiebung gegeben, ebenfalls wegen im Raum stehender Vorwürfe zu Bilanzmanipulationen, die im Wesentlichen von der britischen Finanzzeitung Financial Times erhoben werden. Mit dem Blatt und dem FT-Journalisten, der die kritischen Berichte verfasst hat, streitet sich Wirecard mittlerweile auch vor Gericht. Es geht um Vorwürfe, Wirecard habe seine Geschäfte vor allem in Asien künstlich und illegal aufgebläht. Dabei stehen einige Länder und Geschäftskontakte besonders im Fokus. Was Indien, den Stadtstaat Singapur und ein spezielles Geschäft mit Handelsunternehmen betrifft, hat KPMG Wirecard nun eine weiße Weste bescheinigt. In Ländern, wo der Zahlungsdienstleister über keine eigenen Lizenzen verfügt, arbeitet er aber mit Partnerfirmen zusammen, die das operative Geschäft für ihn übernehmen. Wirecard vermittelt für Händler, Fluggesellschaften oder Banken digitale Zahlungsströme und kassiert für die übermittelten Summen eine Gebühr. T. MAGENHEIM-HÖRMANN