BMW: Vier Wochen Stillstand in den Werken

von Redaktion

Als letzter deutscher Autohersteller fährt auch BMW die Produktion wegen der Corona-Krise herunter. Bis zum 19. April soll an allen europäischen Produktionsstandorten Stillstand herrschen. Für die Zukunft bleibt der Münchner Konzern aber zuversichtlich.

VON MARTIN PREM

München – Nach allen anderen deutschen Autoherstellern hat auch BMW Stillstand in der Produktion angeordnet. In allen europäischen Werken läuft die Fertigung von Autos nach und nach aus. „Ab heute fahren wir unsere europäischen Automobilwerke und das Werk Rosslyn in Südafrika herunter“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse gestern auf der Bilanzpressekonferenz. „Die Produktionsunterbrechung wird voraussichtlich bis zum 19. April eingeplant.“

Auch in den konzerneigenen Vertriebsniederlassungen in Deutschland ruht seit gestern Abend der Verkauf vor Ort. Die Werkstätten für den Service bleiben aber geöffnet.

In der Konzernzentrale und dem Forschungs- und Entwicklungszentrum läuft der Betrieb aber normal weiter – soweit der Corona-Modus das zulässt. Kurzarbeit ist dort nicht geplant. Ob in den Werken zu diesem Instrument gegriffen wird, ist auch noch nicht entschieden. Bevor die Bundesagentur Geld dafür bereitstellt, muss ein Unternehmen alle anderen Register gezogen haben – den Abbau von Überstunden beispielsweise. Und ein Teil der Produktionsunterbrechung war ohnehin schon lange geplant. Denn im größten europäischen Werk in Dingolfing sowie in München standen ohnehin zwei Wochen Pause an – wegen Vorarbeiten für neue Modelle. Nun werden vier Wochen daraus.

Die Corona-Krise dürfte der langjährigen Erfolgsfahrt des bayerischen Konzerns erst einmal beenden. „Infolge der Belastungen aus der inzwischen weltweiten Ausbreitung dürfte das Konzernergebnis vor Steuern 2020 nun deutlich rückläufig sein“, sagte Finanzvorstand Nicolas Peter.

Das klingt noch nicht so dramatisch. Doch der Blick auf ein Detail ergibt ein deutlicheres Bild: Die Ebit-Marge. Das ist das, was vor Steuern und Zinsen im operativen Geschäft hängen bleibt: Acht bis zehn Prozent vom Umsatz ist das Wunschergebnis. Vor Corona hatte BMW noch mit sechs bis acht Prozent gerechnet. Nun „ergibt sich nach der aktuellen Planung eine Marge im Korridor von zwei bis vier Prozent“.

Derartige Vorhersagen aus Unternehmen haben eine begrenzte Haltbarkeit. Sie gehen im Fall Corona davon aus, dass die Sache nach einigen Wochen halbwegs durch ist.  Sollte sich die Krise verschärfen oder erheblich länger hinziehen als derzeit absehbar, sind die gegenwärtigen Aussagen schnell Makulatur.

Im Vergleich steht BMW gut da: Der Konzern hat 2019 über 104 Milliarden Euro beim Umsatz erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro überschritten. Allerdings hat unter anderem die Rückstellung für eine zu erwartende EU-Kartellstrafe das Ergebnis vor Steuern von 9,6 Milliarden Euro massiv auf 7,1 Milliarden Euro gedrückt. Der Konzernüberschuss betrug 5,0 Milliarden Euro (2018: 7,1 Milliarden Euro).

Für die Zukunft setzt BMW weiterhin auf eine Vielfalt von Antriebsvarianten. „Man kann unsere Industrie nicht spalten in einen Elektro- und einen Verbrennerbereich, sagte Konzernchef Zipse mit Blick auf den elektrischen i4, der ab 2021 neben dem 4er Gran Coupé (mit Verbrennungsmotor) in München vom Band läuft.

Allerdings soll laut Zipse schon 2021 eine Viertel der BMW-Neuwagenflotte elektrifiziert sein. Und auch, wo Benzin oder Diesel draufsteht, ist ein bisschen Elektro drin. Denn diese Autos werden zunehmend so genannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen mit kleineren 48 Volt-Motoren bis zu 0,4 Liter Sprit auf 100 Kilometer eingespart werden kann.

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