USA schnüren Paket der Superlative

von Redaktion

Konsumschecks für jeden Bürger geplant

Washington/Frankfurt – Es wird ein Konjunkturpaket der Superlative. Damit soll ein dramatischer Einbruch der US-Wirtschaft abgefedert werden. Auch die US-Notenbank Fed stemmt sich mit aller Macht gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Zum einen erklärt sie sich jetzt bereit, unbegrenzt Staatsanleihen und bestimmte, mit Hypotheken besicherte Wertpapiere zu kaufen. Bisher hatte die Fed zugesichert, Staatsanleihen im Wert von einer halben Billion Dollar und Hypothekenpapiere im Wert von 200 Milliarden Dollar zu erwerben.

Zum anderen legt die Fed mehrere Kreditprogramme auf, mit denen vor allem die amerikanischen Unternehmen und Haushalte gestützt werden sollen. Diese Programme haben einen Gesamtumfang von bis zu 300 Milliarden Dollar. Als Teil des noch umstrittenen Konjunkturpakets sollen alle Amerikaner Schecks bekommen. Allein für solche Direkthilfen sollten nach einer Vorlage des US-Finanzministeriums rund 500 Milliarden Dollar aufgewendet werden. Hilfe gibt es auch für kleine und mittlere Unternehmen.

Darüber hinaus sollten rund 100 Milliarden Dollar in den Gesundheitssektor fließen und angesichts drohender Entlassungen die Arbeitslosenhilfe deutlich verbessert werden.

In den USA kommt es also wohl: Das Helikoptergeld. Kurzfristig will die Regierung für die Bewältigung der Folgen der Corona-Epidemie jedem Erwachsenen 1000 Dollar und für jedes Kind 500 Dollar zukommen lassen. Möglicherweise sogar noch mehr. Die Rede ist von Konsumschecks. In Europa dagegen und auch in Deutschland sind Unterstützungsmaßnahmen in dieser Form für die Bevölkerung nicht vorgesehen. Hier zielen staatliche Hilfen auf schwer getroffene Kleinstunternehmen, Einzelhändler, Selbstständige und Freiberufler, denen bei weiter laufenden Kosten die Einnahmen wegbrechen. Wahllos verteiltes Helikoptergeld ist das aber nicht.

Das spricht für Helikoptergeld

Was spricht für die Zahlungen in den USA? Das dürfte vor allem mit den nur rudimentär bis gar nicht vorhandenen Sozialsystemen zu tun haben, sagen Ökonomen. US-Bürger können viel schneller entlassen werden als hierzulande, es gibt keinen vergleichbaren Kündigungsschutz, kein Kurzarbeitergeld und generell keine vergleichbaren Sozialsysteme. Insofern kann Helikoptergeld, also ein Scheck und damit ein Zuschuss aus der Staatskasse, der nicht zurückgezahlt werden muss, hilfreich sein und erste finanzielle Nöte lindern. Im Blick auf den Konsum macht er allerdings wenig Sinn, schließlich liegt auch der Handel in den USA brach, Geschäfte, abgesehen von Supermärkten sind geschlossen.

Das spricht gegen Helikoptergeld

In Deutschland ist die Lage eine andere. Helikoptergeld oder Zuschüsse per Gießkanne für jeden Einzelnen machen wenig Sinn. Die Sozialsysteme funktionieren in der Regel. Einkommensschwächere Familien werden unterstützt. Es gibt Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Regelungen nach Hartz IV, auch wenn es Schwächen gibt und der Ansturm auf die Ämter in diesen Tagen groß sein dürfte. Und im Durchschnitt sind die Deutschen bei Weitem nicht so stark verschuldet wie Haushalte in den USA. Würde hierzulande Helikoptergeld wie mit der Gießkanne an jeden gezahlt, dann legen es die, die das Geld nicht brauchen, vermutlich eher zur Seite und belassen es auf ihrem Konto. Und konsumieren kann derzeit ohnehin kaum jemand, zumindest wenn er lokale Einzelhändler unterstützen will. Denn die Geschäfte sind zu. Der Effekt für die, die Hilfe am dringendsten brauchen, wäre gleich null.

Führende deutsche Ökonomen lehnen ein Helikoptergeld nach dem Vorbild der USA denn auch ab. „Nicht zielführend“, heißt es beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Ähnlich sieht es Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Das gilt auch für Clemens Fuest vom Münchner Ifo-Institut. Die Ökonomen befürworten aber gleichwohl Finanzhilfen – und das macht auch Sinn – unbürokratisch und schnell für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler, denen jeder Umsatz wegbricht, die aber weiter Kosten etwa für Miete, Kredite oder Löhne tragen müssen. ROLF OBERTREIS

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