München – Wer den Betrieb in manchen Kfz-Zulassungsstellen kennt, weiß, dass diese Behörden wegen der großen Ansammlung von Wartenden derzeit besser gemieden werden sollen. Und es ist auch wirklich die Frage, ob das über den Winter stillgelegte Cabrio ausgerechnet jetzt angemeldet werden muss. Dass die meisten Zulassungsstellen jetzt auf einen Notbetrieb umgestellt haben, ist daher gut nachvollziehbar. Doch durch eine Komplettschließung wie in München (siehe Kasten) kommt möglicherweise eine Branche unter die Räder: die Autohändler – fast ausschließlich mittelständische Betriebe.
Denn deren Geschäftsmodell leidet unter dem Stillstand besonders. „Für Händler, die vorfinanzierte Neuwagen auf dem Hof stehen haben, legt sich dieses tote Kapital wie eine Schlinge um den Hals“, sagt Peter Müller, der Sprecher des Verbands deutscher Opel-Händler.
Viele dieser Händler versuchen, sich selbst zu helfen. Sie nutzen die Digitalisierung. Vielen ist es auch gelungen, einen lückenlos digitalen Verkaufsprozess zu schaffen. Sie stehen dann aber vor einem unüberwindlichen Hindernis: „Mit einem nicht zugelassenen Fahrzeug kann der Kunde schließlich nichts anfangen. Doch die Ämter sind größtenteils einfach geschlossen“, ärgert sich Müller.
Der stationäre Autohandel ist in der Krise ohnehin verboten. Das trifft die Händler besonders hart, weil repräsentative Verkaufsräume, die von den Herstellern gefordert werden, meist für eine drückende Schuldenlast gesorgt haben. Jetzt liegen die teuren Hallen komplett brach. Das Verbot sei für viele Autohändler eine Katastrophe, weil es die verkaufsstarke Frühjahrssaison treffe. beklagte gestern der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Die dadurch verursachten Umsatzausfälle könnten, abhängig von der Dauer der Krise, für viele Unternehmen existenzbedrohend werden.
Dabei ist der Online-Verkauf von Autos in der Krise ausdrücklich erwünscht. Und dazu gehört auch die Möglichkeit, Fahrzeuge zuzulassen. „Gerade die Dienstleistungen unserer Kraftfahrzeug-Zulassungsstellen werden von unseren Bürgerinnen und Bürgern und vor allem den Unternehmen benötigt, um das Wirtschaftsleben aufrechtzuerhalten“, sagt Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer. Und: „Die Behörden müssen trotz aller Widrigkeiten funktionstüchtig bleiben“.
Um dies weitestgehend ohne persönlichen Kontakt zu ermöglichen, hat das Ministerium bislang eherne Verfahrensregeln gelockert. So hat Schreyer verfügt, dass Stempelplaketten in der Krise mithilfe sogenannter Plakettenträger per Post versandt werden dürfen.
Auch die reine Internet-Zulassung ist erleichtert worden. Auf den neuen Personalausweis, der eine eindeutige Online-Identifizierung möglich macht, darf gegenwärtig sogar verzichtet werden. Eigentlich wären viele Voraussetzungen geschaffen, den Betrieb der Zulassungsstellen weitestgehend kontaktfrei aufrechtzuerhalten und damit auch massiv drohenden Pleiten im Fahrzeughandel entgegenzuwirken.
Seit Oktober des vergangenen Jahres gibt es die rechtlichen Voraussetzung für die internetbasierte Zulassung. Und immerhin 85 der 96 bayerischen Zulassungsstellen haben gemeldet, dass sie das auch anbieten. Nur bei 11 waren die technischen Anfangsprobleme zu groß. Es müsste also möglich sein. Daher sollte Schreyers Appell an die Verantwortlichen besser nicht verhallen. „Die Oberbürgermeister und Landräte bitte ich um die Unterstützung dieser Maßnahmen.“