München – Die Berufsschulen haben seit 16. März zu. Viele Werke stehen still. Die Ausbildung beim größten bayerischen Industrieunternehmen muss aber weitergehen. Aber wie? Die Ausbildungswerkstätten von BMW müssten nun dreimal so viele Menschen unterbringen wie sonst – und das geht im Corona-Modus gar nicht. So kam der Münchner Autokonzern auf eine derzeit naheliegende Idee für die Auszubildenden. „Ihr gesamter Ausbildungsalltag findet derzeit im Homeoffice statt“, sagt Ilka Horstmeier, die im BMW-Vorstand fürs Personal zuständig ist.
Das ist aber organisatorisch eine Herausforderung. Denn im dualen System geht es eben nicht nur um abstraktes Lernen. „Theorie wird nun vorgezogen“, wie Ilka Horstmeier sagt, und Praxisanteile wie Einsätze in Werkstätten nach hinten verschoben.
Allerdings ist das kein Schnellschuss in der Krise. Bereits im letzten Jahr hat BMW mit dem Betriebsrat die Spielregeln für die Mobilarbeit ausgehandelt und eine entsprechende Betriebsvereinbarung abgeschlossen. Von einem „Lernökosystem für die Berufsausbildung“ spricht Nadja Gschaider, die die Ausbildung in München leitet. Das könne nun zuverlässig für die Ausbildung in Mobilarbeit genutzt werden. Die Sache war also vorbereitet.
Nicht nur im Arbeitsalltag, auch in der Ausbildung setzt BMW auf Digitalisierung. „Durch moderne Hardware und innovative Lehr- und Lernmethoden ermöglichen wir den Auszubildenden und Ausbildern, überall mit individueller Geschwindigkeit zu lernen“, sagt Gschaider.
Dabei wurden Plattformen entwickelt, die beispielsweise speziell auf technische Ausbildungsberufe zugeschnitten sind. Andere ermöglichen Online-Qualifizierungen zur Digitalisierung der Produktion. Dabei geht es unter anderem um künstliche Intelligenz oder Programmierung, Inhalte also, die zunehmend auch den Arbeitsalltag eines Autokonzerns bestimmen.
Für die Betroffenen war der Umstieg auf den Corona-Krisenmodus also nur noch ein kleiner letzter Schritt. „Ich habe gleich beim Ausbildungsstart einen Laptop mit Headset bekommen“, erzählt Lucia Maria Timis, duale Studentin beim Münchner Konzern. Damit kann sie daheim genauso arbeiten wie im Büro. Nur dass es die Alternative Büro gerade nicht gibt.
„Im Moment nehme ich an E-Lessons teil“, sagt Timis. Daneben unterstützt sie zwei andere Azubis, eine App zu entwickeln, und erstellt aus der Ferne für ihre Abteilung eine Präsentation. Die Nähe zu den Kollegen ist jetzt nur virtuell möglich, weil man gerade nur elektronisch zusammentreffen kann. Fehlt dabei doch etwas? Ja, etwas, was digital nie möglich sein wird: „Mittags gemeinsam essen zu gehen.“ M. PREM