München – Ein simpler Mechanismus soll für Tempo bei der Kreditvergabe sorgen: Über die Hausbank erhalten von der Corona-Krise betroffene Firmen frisches Geld, hinter den Krediten steckt aber die staatseigene Förderbank KfW. Wird der Kredit nicht zurückgezahlt, haftet der Bund für bis zu 90 Prozent der Kreditsumme. Ein ähnliches Kreditprogramm hat der Freistaat Bayern über die LfA Förderbank aufgelegt.
Die Nachfrage nach den Corona-Krediten ist enorm. „Es gibt viele Kleinunternehmer, denen fehlen auf einen Schlag die Einnahmen, während sie trotz Kurzarbeit weiterhin Ausgaben haben“, sagt Herbert Maier, Leiter Unternehmerkunden Süd bei der Commerzbank in München. In Oberbayern hätten von den insgesamt 50 000 Unternehmerkunden mit einem Jahresumsatz bis 15 Millionen Euro etwa 1000 Firmen einen Antrag gestellt. Das beantragte Kreditvolumen belaufe sich auf insgesamt 80 bis 90 Millionen Euro. „Das verändert sich stündlich“, sagt Maier. „Die Anfragen nach Hilfskrediten gehen von Tag zu Tag hoch, auch wenn sich die Kurve inzwischen etwas abflacht.“
Klar ist aber auch: Das Geld ist für die Firmen kein Ersatz für den verlorenen Umsatz – spätestens nach fünf Jahren muss das Geld an die Bank zurückgezahlt werden. Daher schauen sich Banken und Sparkassen sehr genau die Bonität der Firmen an. Nur wenn sie eine realistische Chance sehen, dass die Betriebe die Krise überstehen, gibt es Geld. „Unternehmen, die jetzt Kredite benötigen und bereits vor der Corona-Krise auf gesunden Beinen standen, können wir auf jeden Fall helfen“, sagt Maier von der Commerzbank. „Wir hatten aber auch schon erste Fälle, in denen wir keinen Kredit vergeben konnten.“
Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte die Banken und Sparkassen am Dienstag dazu aufgefordert, in der Corona-Krise keine zu hohen Anforderungen für kleine Unternehmen zu stellen. Jeder Bankmitarbeiter solle wissen, „dass das jetzt eine große, gemeinsame, nationale Anstrengung ist, die notwendig ist, wo jeder gewissermaßen ein bisschen Fünfe gerade sein lassen muss.“
Maier hält solche Aussagen für fatal: „Wir entscheiden bei der Kreditvergabe besonders jetzt sehr schnell und pragmatisch, wir können aber das Geld aufgrund unserer Prüfungspflicht gegenüber der KfW auf Rückzahlung nicht blind vergeben.“
Ähnlich hatte sich am Vortag der Genossenschaftsverband Bayern geäußert, der über 200 Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat vertritt. „Es ist schon ein starkes Stück, wenn ein Bundesminister dazu auffordert, Regeln und Gesetze nicht einzuhalten“, sagte Verbandspräsident Jürgen Gros.
Die Gewerkschaften mahnen die Banken indes zu Flexibilität. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte: „Die Banken müssen sich in der aktuellen Lage ihrer gesellschaftlichen und moralischen Verantwortung bewusst werden. Sie waren es immerhin, die vor mehr als zehn Jahren eine von ihnen selbst verursachte Wirtschaftskrise auslösten und von der Allgemeinheit – und somit auch aus Steuermitteln der nun in Not geratenen Unternehmen – gerettet wurden.“ Und: „Wer an diesen Geschäften, wie in diesem Fall die Hausbanken, verdient, muss auch einen Teil des Risikos übernehmen.“
Den betroffenen Firmen hilft der Streit wenig: Selbst wenn ein Hilfskredit gewährt wird, führt das nur kurzfristig zu Liquidität. Die Existenzsorgen sind damit in die Zukunft verschoben worden.