Berlin – Das Handwerk schlägt für einen Neustart in der Corona-Krise einen zeitlich begrenzten, steuerlichen „Corona-Bonus“ vor. Durch den Bonus mit einem Höchstbetrag von 12 000 Euro soll der private Konsum gestärkt werden. Diese Summe sollen Bürger maximal steuerlich absetzen können – und zwar nicht nur für haushaltsbezogene Dienste, die schon jetzt steuerlich gefördert werden, sondern auch darüber hinaus, forderte Hans Peter Wollseifer, der Präsident des Branchenverbands ZDH. Bisher können Verbraucher jährlich Handwerker-Dienste von bis zu 6000 Euro steuerlich absetzen.
Für diesen Vorschlag kommt Unterstützung auch aus Bayern. Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern und des Bayerischen Handwerkstags, unterstützt die Idee. „Der finanzielle Kraftakt“, so Peteranderl, „macht nur Sinn, wenn beim Wiederhochfahren der Wirtschaft auch die entsprechende Nachfrage generiert werden kann.“
Er präzisiert auch die steuerlichen Auswirkungen für jeden Betroffenen. Unter dem Strich könne die Steuerschuld um 2400 gemindert werden. Das würde, so Peteranderl, bei manchem Kunden den Anreiz erhöhen, Handwerker zu beauftragen.
Der Vorschlag Wollseifers ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, mit dem das Handwerk wieder auf die Beine kommen und eine Pleitewelle in der Branche mit Millionen Beschäftigten verhindert werden soll. Dazu gehören auch Nachbesserungen bei Hilfen der Bundesregierung sowie eine Pause bei Bürokratielasten und Regulierungen. „Ganz vielen unserer Betriebe steht das Wasser bis zum Hals und nicht wenige drohen, komplett unterzugehen“, sagte Wollseifer. „Sie alle brauchen eine Perspektive und wollen wissen, wie das schrittweise Wiederanfahren der Wirtschaft abläuft.“ Im Handwerk arbeiten nach Branchenangaben in mehr als einer Million Betrieben rund 5,5 Millionen Menschen.
Die Krise trifft nach Aussagen von Peteranderl nicht nur Handwerker, die aufgrund der Corona-Maßnahmen komplett schließen mussten, wie Friseure und Goldschmiede. Auch bei Bäckern und Metzgern brach die Nachfrage durch Gastronomie und Hotellerie zusammen. Außerdem seien zahlreiche Catering-Aufträge weggebrochen. Und viele Handwerker sind auch Lieferanten für die Industrie. Auch bei ihnen bleiben Aufträge aus, weil der Betrieb bei ihren Abnehmern oft stillsteht.
Noch relativ günstig sieht es beim Bau- und Ausbauhandwerk aus. Die Auftragslage ist in diesem Bereich vergleichsweise gut. Die Unternehmen mussten, so Peteranderl „vor allem mit Lieferengpässen beim Material fertigwerden“.
Das Handwerk forderte möglichst einheitliche Regeln. Damit Betriebe durch die Krise kommen, müsse die Bundesregierung außerdem bei Hilfspaketen nachlegen. So wären für Friseure, Kosmetiker, Maßschneider oder Uhrmacher gezielte Zuschüsse passgenauer als weitere Kreditprogramme. Die Liquidität der Betriebe müsse gestärkt werden. Zur wirtschaftlichen Belebung brauche es gezielte Wachstumsimpulse, sagte Wollseifer.
Dazu sei ein klarer Fahrplan nötig. „Das Umschalten in den Betrieben vom Krisenmodus in den Wachstumsmodus funktioniert nicht auf Knopfdruck.“ Das sei eine Riesenherausforderung. „Mit jedem Euro, den wir in Wachstumsbeschleuniger investieren, werden wir später eine stattliche Rendite einfahren. Ohne diese Beschleuniger droht erneut eine Wachstumsvollbremsung, die sich niemand wünscht.“