Das Rennen um den Immuntest

von Redaktion

Siemens Healthineers am Start

VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

München/Erlangen – In den Fokus zur Bekämpfung der Corona-Pandemie rücken derzeit Tests, mit denen Immunität gegen das Virus nachgewiesen werden kann. Nach Roche präsentiert nun auch der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers einen solchen Antikörpertest.

Siemens Healthineers hat in Rekordzeit einen Immuntest für das Coronavirus entwickelt. Er liefert den Unternehmensangaben zufolge schnell zuverlässige Ergebnisse und ist massenhaft anwendbar. Das ist maßgeblich dafür, wie umfangreich und schnell die eingefrorene Wirtschaft und Gesellschaft wieder aufgetaut werden können.

„Unser Antikörpertest ist bis Ende Mai verfügbar mit einer angestrebten Kapazität von 25 Millionen Tests pro Monat“, erklärt Konzernchef Bernd Montag. Mit einer Sicherheit von über 99 Prozent könne er bestimmen, ob eine Person gegen das Coronavirus immun ist. Damit können auch Bevölkerungsschichten aufgespürt werden, die mangels Symptomen gar nicht wussten, dass sie infiziert waren und damit nun frei von Ansteckungsgefahren sind.

Der Test sei so zuverlässig, dass er auch strenge Kriterien der US-Arzneimittelbehörde FDA erfüllt, betont Montag. Experten von Siemens Healthineers hätten ihn binnen weniger Wochen entwickelt. Normalerweise dauere so etwas mehrere Monate. Damit will der Medizintechnikriese aus Erlangen nun auch geschäftlich punkten.

Zusammen mit einem zweiten selbst entwickelten Test zum Nachweis einer akuten Infizierung mit dem Coronavirus könnten beide Innovationen auf das Geschäftsjahr gerechnet für dreistellige Millionenumsätze sorgen, schätzt Finanzchef Jochen Schmitz. Der zusätzliche Nachweistest zu einem aktuellen Virenbefall ist bereits von Behörden zugelassen und in Europa schon am Markt. Bei ihm sei mittlerweile bei nahe 100 Prozent Zuverlässigkeit eine Kapazität von einer Million Tests pro Monat erreicht, die noch gesteigert werden soll, sagt Schmitz. Damit sind beide von den Erlangern entwickelten Verfahren im Gegensatz zu diversen anderen am Markt befindliche Tests offenbar so gut wie frei von Fehldiagnosen.

Auch Computertomografen von Siemens Healthineers zum raschen Bestimmen vom Ausmaß einer Lungenschädigung sind derzeit stark gefragt. Andererseits werden vielfach Behandlungen oder Vorsorgeuntersuchungen verschoben, was auch dämpfende Effekte für die Erlanger mit sich bringt. Ein klarer Krisengewinner sind sie nicht, obwohl es im zweiten Geschäftsquartal von Januar bis März insgesamt und im Gegensatz zu weiten Teilen der Wirtschaft aufwärts ging. Die Konzernumsätze über alle Sparten sind im abgelaufenen Quartal um gut drei Prozent auf 3,7 Milliarden Euro gestiegen, der Gewinn vor Steuern und Zinsen dreimal so stark auf 414 Millionen Euro.

Im laufenden dritten Geschäftsquartal erwartet Siemens Healthineers für das eigene Geschäft jedoch eine coronabedingte Talsohle mit Umsatzrückgängen auf breiter Front. Wie schnell es danach wieder aufwärts geht, kann auch Montag nicht abschätzen, weshalb er die alte Geschäftsprognose inzwischen kassiert hat und vorerst keine neue geben will. Auf lange Sicht erwartet er eine Stimulierung der eigenen Geschäfte. „Das Bewusstsein für moderne Hightech-Medizin wird auf tragische Weise geschärft“, sagt der Manager mit Blick auf die Pandemie. Speziell die Digitalisierung des Gesundheitswesens erfahre durch sie einen wohl anhaltenden Boom. Das spiele Siemens Healthineers in die Hände. Die Erlanger nehmen für sich in Anspruch, globaler Treiber einer solchen Digitalisierung und des Einsatzes künstlicher Intelligenz in der Medizintechnik zu sein.

Am Vortag hatte der Schweizer Pharmariese Roche in Penzberg einen Antikörpertest vorgestellt. Drei Millionen Tests sollen noch im Mai an Gesundheitseinrichtungen in Deutschland ausgeliefert werden.

Unklar ist noch, ob der Nachweis von Antikörpern auch mit einer Immunisierung der Betroffenen einhergeht.

Artikel 3 von 4