München – Die Wirtschaft bricht ein, die Preise steigen kaum, die Börsen sind auf Erholungskurs. Wie passt das alles zusammen? Ein Überblick über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie.
Rezession
Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft: Das ifo-Institut erwartet 2020 einen Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung um 6,6 Prozent. Das sagen die Münchner Volkswirte in ihrer gestern aktualisierten Konjunkturprognose voraus. 2021 könnte die Wirtschaft dann von niedrigem Niveau aus um 10,2 Prozent wachsen. Grundlage der Aktualisierung ist die jüngste Umfrage des Instituts. Die befragten Unternehmen hielten im Schnitt eine Normalisierung ihrer eigenen Geschäftslage innerhalb von neun Monaten für den wahrscheinlichsten Fall, sagte Timo Wollmershäuser, Chef-Konjunkturforscher des ifo-Instituts. „Nach einem kräftigen Einbruch im zweiten Quartal 2020 um 12,4 Prozent dürfte sich damit die Konjunktur bis Mitte nächsten Jahres erholen.“ Die neue Prognose wurde allerdings unter der Annahme erstellt, dass keine zweite Infektionswelle kommt.
Etwas optimistischer sind die Volkswirte der BayernLB: Sie rechnen in diesem Jahr mit einem Einbruch der Wirtschaft in Deutschland um 5,4 Prozent. „Alles deutet darauf hin, dass es im zweiten Halbjahr zu einer Erholung kommt“, sagte BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Michels. In den meisten Ländern werde die Wirtschaft aber erst wieder in den Jahren 2022 bis 2024 das Vorkrisenniveau erreichen.
Inflation
Die Inflationsrate in Deutschland ist im Mai auf 0,6 Prozent gefallen (s. oben). Unklar bleibt aber, wie sich die Preise langfristig entwickeln. Denn die Notenbanken haben ihre Geldpolitik noch einmal massiv gelockert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits Ende April betont: „Wir können aktuell bis Ende des Jahres über eine Billion Euro einsetzen.“ Auf rund acht Billionen US-Dollar – also 8000 Milliarden – summieren sich nach Berechnungen von Volkswirten die bisher zugesagten Corona-Hilfen. Das viele Geld sei „eigentlich ein optimaler Nährboden für Inflation“, stellen die Experten von Quant Capital Management fest und sehen die „Inflation in Lauerstellung“. Auch Analystin Birgit Henseler von der DZ Bank schreibt: „Auf längere Sicht ist es (…) sehr wohl vorstellbar, dass die sehr expansive Geldpolitik gepaart mit der hohen Verschuldung der öffentlichen Haushalte den Anfang vom Ende der Ära der niedrigen Inflation markieren könnte.“
Eine andere Einschätzung vertreten die Experten der BayernLB: „Die Inflation dürfte weiter niedrig bleiben“, sagte Chefvolkswirt Michels. Auch nach der Finanzkrise sei trotz Intervention der Notenbanken kein nennenswerter Anstieg der Inflationsrate zu beobachten gewesen.
Ölpreis
Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in China war der Ölpreis stark gefallen, auch weil sich das Ölkartell Opec lange nicht auf eine Förderkürzung einigen konnte. Inzwischen haben die Preise wieder etwas angezogen. „Wenn wir eine Erholung der Wirtschaft bekommen, sollte der Preis auch wieder nach oben gehen“, sagte Landesbankökonom Michels.
Zinsen
Anders sieht es bei den Zinsen aus: „Wir werden auf sehr lange Zeit noch sehr niedrige Zinsen haben“, sagte Michels. Er rechnet aber damit, dass das Zinsniveau wegen der höheren Staatsverschuldung zumindest etwas anziehen dürfte. Zumal EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen 750 Milliarden Euro an Hilfsgeldern bereitstellen will, 500 Milliarden davon in Form eines Fonds – finanziert über EU-Schulden. Michels geht davon aus, dass diese EU-Schuldtitel in Konkurrenz zu Bundesanleihen stehen werden, was diese etwas verteuern dürfte.
Aktien
Nach dem Corona-Crash im März sind die Börsen seit Wochen auf Erholungskurs. „Das ist unserer Meinung nach etwas über das Ziel hinausgeschossen“, sagte Michels. Er rechnet daher mit einer Korrektur. Erholt sich die Konjunktur dann wie erwartet, sieht Michels Aktien auf lange Sicht im Aufwind. Mit dpa