München – Bayerns Wirtschaft befindet sich in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Das ist angesichts der Corona-Einschränkungen keine Überraschung. Der vbw-Index der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft stürzte im Frühjahr 2020 gegenüber dem Herbst 2019 um 48 auf 51 Punkte ab. Dabei waren schon die damaligen 99 Zähler Ausdruck einer scharfen Bremsung. Ein Jahr vorher war der Index noch bei 135 Punkten gestanden.
Die 51 Punkte entsprechen genau dem Tiefstwert, den der vbw-Index auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise markierte. Doch diesmal gibt der Wert nicht die ganze bittere Wahrheit wieder. Denn in den Frühjahrsindex fließen Daten von Dezember bis Mai ein. Nimmt man die Daten ab März, läge der Index nur bei 35 Punkten.
Besonders betroffen sind gerade für Bayern wichtige Branchen. Etwa die Automobilindustrie und der Tourismus. Das ist ein Grund, warum die vbw Bayern vom Coronaeinbruch stärker getroffen sieht als andere Länder. „Wir erwarten einen BIP-Einbruch von acht Prozent“, sagt vbw-Präsident Wolfram Hatz. Das sei ein etwas stärkeres Minus als im Bundesgebiet.
Besonders Sorgen machen die coronabedingten Einbußen beim Export. Ausfuhren in einige vom Virus besonders hart getroffene Länder brachen zweistellig ein: Spanien minus 29,7 Prozent, Italien minus 28,2 Prozent, Frankreich minus 24,3 Prozent, China minus 20,2 Prozent.
Doch es gibt auch Lichtblicke. Einzelne Branchen sind in der Krise noch gewachsen. Erwartungsgemäß die Pharmaindustrie und der Onlinehandel. Doch auch die Bauwirtschaft und der Lebensmitteleinzelhandel hat Zuwächse verzeichnet.
Vor allem aber sieht Hatz „Anzeichen einer Bodenbildung“: den im Mai leicht erholten ifo-Geschäftsklimaindex und eine leichte Stabilisierung auf den Arbeitsmarkt.
Doch der Weg aus der Rezession bleibt zäh und langwierig. Gebremst sieht sich Bayern Wirtschaft durch verbleibende Einschränkungen in einzelnen Wirtschaftsbereichen, durch notwendige Arbeitsschutz- und Hygienevorschriften und die nach wie vor gestörten Lieferketten.
Für das Konjunkturpaket der Bundesregierung findet die Wirtschaft lobende Worte. „Der gefundene Kompromiss hat vieles clever gelöst“, sagt Hatz.
Allerdings wünscht sich die Wirtschaft noch einen Nachschlag durch ein zweites Paket mit Maßnahmen, die ohnehin schon lange auf dem Wunschzettel der Interessensverbände stehen: Ein Belastungsmoratorium, sinkende Strompreise, einen weitgehenden Bürokratieabbau sowie mehr Geschwindigkeit bei der Digitalisierung fordert Hatz – und dazu noch eine rasche und vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags und einen Verzicht auf Steuererhöhungen.
Rasch kommt die Wirtschaft aber selbst dann nicht aus dem Tal. „Wir erwarten bestenfalls 2022 eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau“, sagte der vbw-Präsident. Und auch das nur, wenn es nicht zu einer zweiten Welle samt Lockdown kommt. Damit rechnet Hatz aber nicht. „Wir haben gelernt“, sagt er. Und: „Die Maßnahmen greifen“. MARTIN PREM