Endspurt im Kampf um die Lufthansa

von Redaktion

VON ROLF OBERTREIS

Frankfurt – Ein Tag vor dem Ende der Registrierungsfrist – sie läuft am Samstag, 20. Juni um 24 Uhr aus – appellieren die Gewerkschaften der Lufthansa noch einmal eindringlich an die Aktionäre, an der außerordentlichen Hauptversammlung am kommenden Donnerstag teilzunehmen und dem Neun-Milliarden-Euro-Rettungspaket zuzustimmen. Auch der Lufthansa-Vorstand bittet die Anteilseigner nachdrücklich um Zustimmung. Ansonsten sei die Airline innerhalb weniger Tage zahlungsunfähig und eine Insolvenz „unvermeidlich“.

Währenddessen sucht der Münchner Multimilliardär Heinz Hermann Thiele, der 15,5 Prozent der Lufthansa-Aktien hält und das Paket vehement kritisiert, dem Vernehmen nach das Gespräch mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Der hat freilich noch Mitte der Woche betont, dass das Paket nicht wieder aufgeschnürt werde.

Thiele hat sich indes vor der entscheidenden Hauptversammlung frisches Geld besorgt – womöglich, um noch mehr Lufthansa-Anteile zu erwerben. Die von ihm kontrollierte KB Holding teilte mit, acht Millionen Aktien von Knorr-Bremse zu verkaufen. Der Ertrag der Transaktion solle der Unterstützung der anderen privaten Investments von Thiele dienen. Die Agentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente, dass der Preis für die verkauften Papiere bei 91 Euro je Anteilschein liege. Der Erlös für Thiele beträgt damit mehr als 700 Millionen Euro.

Lufthansa-Vorstand und Gewerkschaften wollen bis Montag weitreichende Sparmaßnahmen vereinbaren. Nicoley Baublies, Geschäftsführer der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, spricht von einem „soliden“ Krisenbeitrag. Man werde zu einer guten Lösung kommen.

„Nur mit der Sicherheit eines Rettungspakets kann die Lufthansa zu alter Stärke und Stabilität zurückfinden“, sagt Markus Wahl, Präsident der Pilotenvereinigung Cockpit. Ein staatliches Rettungspaket sei der einzig richtige Weg. Die Politik sollte nach Ansicht von Wahl noch einmal offen mit Thiele sprechen. Er könnte das Rettungspaket zum Scheitern bringen. Auch Baublies wirbt nachdrücklich für das Rettungspaket. „Sollte eine Mehrheit zur Annahme der Staatshilfe erreicht werden, dann sind auch wir davon überzeugt, dass Lufthansa mit allen Arbeitnehmern gut aus dieser Krise kommt.

Die Rahmenvereinbarung zwischen dem Bund, dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) und der Lufthansa sieht Folgendes vor: Als Stabilisierungsmaßnahme soll es eine stille Einlage mit Verlustbeteiligung durch den WSF in Höhe von 4.69 Milliarden Euro geben. Sie kann von Lufthansa in maximal sechs Tranchen bis Ende 2021 gezogen werden. Die Laufzeit ist unbefristet. Der Zins für die Einlage liegt 2020 und 2021 bei vier Prozent und steigt nach und nach bis 2027 auf 9,5 Prozent. Eine zweite stille Einlage ohne Verlustbeteiligung des WSF soll eine Milliarde Euro betragen und eine Laufzeit von sechs Jahren haben. Daneben übernimmt der WSF alle aus einer Kapitalerhöhung stammenden 119 548 565 neuen Aktien, was zu einer Beteiligung an der Lufthansa von 20 Prozent führt. Der Ausgabepreis der Aktie liegt bei 2,56 Euro, was insgesamt rund 304 Millionen Euro entspricht. Die Altaktionäre sind vom Bezug ausgeschlossen. Der WSF hat in der Hauptversammlung allerdings nur ein eingeschränktes Stimmrecht. Daneben ist vorgesehen, dass die Lufthansa von der staatlichen Förderbank KfW aus deren Corona-Hilfsprogramm mit Beteiligung anderer Institute einen Konsortialkredit im Volumen von drei Milliarden Euro erhält.

Boni sind während der Laufzeit der Staatshilfe ausgeschlossen ebenso wie eine Erhöhung der Management-Gehälter, solange nicht mindestens 75 Prozent der stillen Einlage zurückgezahlt sind. Die Europäische Kommission macht zudem zur Auflage, dass die Lufthansa an den Flughäfen in Frankfurt und München bis zu 24 Start- und Landerechte an Wettbewerber abtreten muss.

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