Die Erntezeit von Heidelbeeren und Himbeeren ist in vollem Gange. Doch leider bemerkt man nun verstärkt weiche und saftende Früchte. „Dies sind Schäden durch die Kirschessigfliege“, wissen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie. Ein durchschnittlicher Sommer wie 2020 ohne längere Phasen mit heißen Tagen, jedoch höherer Feuchtigkeit durch Tau und Niederschläge, begünstigt das Auftreten des Schädlings, der gesundes reifendes oder reifes Obst befällt.
Starker Befall in diesem Jahr
Aus dem asiatischen Raum eingewandert, machte die Kirschessigfliege besonders in den Jahren 2014 und 2016 von sich reden, da es zu großen Ernteschäden im Wein- und Obstanbau kam. Die Kirschessigfliege liebt feucht-warmes Wetter, wie wir es in den letzten Wochen hatten. Immer wieder Regen, hohe Luftfeuchte (auch durch Taubildung) und Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad sind optimale Lebensbedingungen und führen zu einer schnellen Vermehrung. Die Entwicklung vom Ei bis zur erwachsenen Fliege liegt meist zwischen 14 und 21 Tagen. Zwischen Sträuchern und in Hecken hält sie sich besonders gerne auf, da es dort länger kühl und feucht bleibt. Hätten wir wie in den letzten Jahren einen heißen und trockenen Sommer mit Temperaturen über 30 Grad, wären kaum Schäden zu erwarten. Bei diesen Bedingungen stellt die Kirschessigfliege ihre Vermehrung ein.
Schäden durch die Kirschessigfliege
Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) schädigt, im Gegensatz zu den heimischen Arten der Frucht- und Essigfliegen, völlig intakte Früchte. Da die weiblichen Tiere einen kräftigen sägeartigen Legebohrer besitzen, können sie die weiche Fruchthaut ansägen und ihr Ei dort ablegen. Die Kirschessigfliege schädigt vor allem späte Kirschen, späte Sommer- sowie Herbsthimbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren, Holunder, Pflaumen, aber auch sehr reife Johannisbeeren; später folgen Kiwi, Schwarze Apfelbeere, Kornelkirsche, blaue Tafeltrauben und Wildfrüchte.
Befallene Früchte sehen zunächst normal aus, denn die Fliegenlarven fressen unter der Fruchthaut am Fruchtfleisch. Es entstehen erst kleine Dellen. Später fällt die Frucht immer mehr zusammen und saftet. Ist die Frucht noch nicht ganz zerstört, treten auf leichten Druck an der Einstichstelle Safttropfen aus. Das lockt vermehrt Wespen und andere Fruchtfliegen an, die weiter schädigen.
Vorbeugung und Bekämpfung
Da die Kirschessigfliege eine hohe Luftfeuchte liebt, sollten Gartenliebhaber alles unternehmen, was dem entgegenwirkt, wie ein lockerer Aufbau von Baumkronen und Sträuchern. Auch sollten hohe Stauden und Gräser gemieden werden, damit die gefährdeten Obstarten schnell abtrocknen können. Das Einnetzen kleinerer Pflanzen noch vor der Reife ist ebenfalls eine effektive Methode. Die Maschenweite der feinen Netze beträgt 0,8 Millimeter (Gemüsefliegennetze, Moskitonetze). Geschützt werden einzelne Fruchttrauben beim Weinstock mit dem Eintüten in Organzabeuteln. Im Weinbau wird vorbeugend Kaolin (Heilerde) in der Traubenzone eingesetzt. Dies führt zu einem weißen Belag, der aber bei der Weinherstellung keine Probleme bereitet.
Schnelle Reaktion bei Befall
Ist schon Befall mit der Kirschessigfliege vorhanden, ist das zügige und vollständige Ernten wichtig. Herabgefallene sowie geschädigte Früchte müssen aus dem Garten entfernt werden und dürfen nicht einfach auf den Kompost gelangen, bevor die Fliegenlarven abgetötet sind. Dies kann durch Überbrühen der Früchte mit kochendem Wasser sein, durch Ertränken in reichlich Wasser mit etwas Spülmittel oder in geschlossenen Behältern mehrere Tage in der Sonne stehend.