München – Die Corona-Pandemie hat fast die komplette Automobilbranche in die Verlustzone gestürzt. An roten Zahlen im Umfang von 212 Millionen im Quartal von April bis Juni ist auch der Premiumhersteller BMW nicht vorbeigekommen. Aber zum Halbjahr haben die Münchner 362 Millionen Euro Überschuss geschafft. Die operativen Gewinne vor Steuern und Zinsen liegen sogar über 700 Millionen Euro. Das können die wenigsten Autobauer derzeit bieten.
Beim Premiumkonkurrenten Audi schlagen nach sechs Monaten 2020 rund 750 Millionen Euro operativer Verlust zu Buche, bei Mercedes Cars sind es 615 Millionen Euro Miese. Mindestens eine schwarze Null will BMW auch bis Jahresende schaffen, was durchaus machbar scheint. „Wir blicken mit vorsichtiger Zuversicht auf das zweite Halbjahr und streben für 2020 weiterhin eine operative Marge im Segment Automobile zwischen null und drei Prozent an“, sagte Konzernchef Oliver Zipse zur Vorlage eines Zwischenberichts.
Ohne zweite Infektionswelle mit harten Einschränkungen für die Wirtschaft werde BMW 2020 ein positives Konzernergebnis erreichen, kündigte Finanzchef Nicolas Peter an. Hoffnung macht vor allem das Geschäft in China, wo der Absatz zwischen April und Juni um satte 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert werden konnte. Im Juli lägen die Verkäufe dort „deutlich“ über Vorjahr, betonte Zipse. Dazu kommt ein anziehender Absatz von elektrisch angetriebenen Autos.
Während die Bayern konzernweit über alle drei Marken – BMW, Mini und Rolls-Royce – zum Halbjahr mit 962 000 Autos knapp ein Viertel weniger verkauft haben, hat der Absatz von Stromern aller Art um gut drei Prozent auf knapp 62 000 Fahrzeuge zugelegt. Speziell in Deutschland profitiert BMW aktuell von staatlichen Boni dafür. „Bei Beantragungen für die Umweltprämie ist BMW weit vorn“, erklärte Zipse. Im Juli habe der Elektroautoabsatz global um die Hälfte zugelegt und werde bis Jahresende wohl nahe an 200 000 verkaufte Stromer kommen.
Auf Basis von Einzelmodellen reklamiert allerdings mittlerweile Audi mit dem vollelektrischen e-tron unter deutschen Premiumherstellern die Marktführerschaft im globalen Maßstab für sich. Vom Audi e-tron haben die Ingolstädter zum Halbjahr knapp 17 000 Fahrzeuge abgesetzt. Wie BMW profitiert auch Audi vom anziehenden China-Geschäft. Mai und Juni haben gegenüber den Vorjahresmonaten für die Marke mit den vier Ringen dort neue Rekordwerte gebracht. Davon gestützt, hat Audi den Absatzschwund im ersten Halbjahr global auf 22 Prozent beschränken können, was gut 707 000 Verkäufe bedeutet. Bei Mercedes ist der Absatz mit gleicher Rate auf 879 000 Fahrzeuge im ersten Halbjahr geschrumpft. Die Stuttgarter liegen damit im Vergleich der Einzelmarken nur noch knapp vor der Marke BMW mit gut 842 000 Verkäufen im ersten Halbjahr.
Wie unterschiedlich sich das Premiumtrio in der Coronakrise schlägt, spiegeln auch die Zahlen für den geplanten Stellenabbau wider. BMW glaubt, mit dem Abschmelzen von 6000 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen zu können und zeigt auch keine Regung, das Sparprogramm zu verschärfen. Bei Audi hat der neue Chef Markus Duesmann gerade betont, dass über den schon angekündigten Abbau von 9500 Jobs hinaus keine weiteren Arbeitsplätze gestrichen werden. Bei Mercedes dagegen, wo 20 000 bis 30 000 Stellen auf dem Spiel stehen, herrscht noch keine Klarheit.
Auch bei der Begrenzung des Schadstoffausstoßes marschiert BMW voran. Verschärfte EU-Abgasgrenzwerte werde sein Konzern bis Ende 2020 übererfüllen und keine Strafen zahlen müssen, betonte Zipse. Derartiges hört man von Audi und Mercedes bislang nicht. THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN