Wiesbaden – Die deutsche Wirtschaft ist in der Corona-Krise – anders als in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise – steil und abrupt abgestürzt. „Die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 setzte eher schleichend ein und wirkte sich zunächst nicht erkennbar auf den Arbeitsmarkt aus“, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit.
Europas größte Volkswirtschaft hatte im zweiten Quartal 2020 einen noch nie da gewesenen Einbruch verzeichnet. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte nach einer ersten Schätzung der Statistiker um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Zugleich sei die Zahl der Erwerbstätigen saisonbereinigt ungewöhnlich stark um 1,4 Prozent zurückgegangen.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit wies allerdings darauf hin, dass bei einem derartigen Konjunktureinbruch der Arbeitsmarkt früher ins Bodenlose gestürzt wäre. „Heute bleibt der Rückgang der Erwerbstätigkeit gemessen an dem immensen wirtschaftlichen Schock noch begrenzt“, sagte Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen. Die Betriebe hielten ihre Beschäftigten, die Entlassungszahlen hätten sich schnell wieder normalisiert. Dabei helfe das Instrument der Kurzarbeit. „Die Einstellungsdynamik ist allerdings immer noch schwach, hier unterscheidet sich die Corona-Krise von der Weltfinanzkrise.“ Die Beschäftigungsentwicklung könnte sich zudem verschlechtern, wenn die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht am 30. September ende.
In der Finanzkrise, die ihren Ursprung in einer geplatzten Blase auf dem US-Immobilienmarkt hatte, begann der Abschwung nach Angaben der Statistikbehörde ab dem zweiten Quartal 2008. Der Tiefpunkt wurde aber erst ein knappes Jahr später erreicht. Damals brach das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Vierteljahr 2009 um 4,7 Prozent ein. Ab dem zweiten Halbjahr 2009 erholte sich die Wirtschaft wieder. Das Vorkrisenniveau des BIP wurde den Angaben zufolge aber erst zum ersten Quartal 2011 wieder erreicht. Aktuell rechnen Ökonomen ebenfalls mit einer Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr.
In der EU traf es andere schlimmer: So verzeichnete im zweiten Quartal Spanien mit minus 18,5 Prozent den stärksten Rückgang, gefolgt von Portugal (minus 14,1 Prozent), Frankreich (minus 13,8 Prozent) und Italien (minus 12,4 Prozent). Außerhalb der EU gab es im zweiten Quartal bei dem wichtigen Handelspartner USA einen Rückgang des BIP um 9,5 Prozent. dpa