Es ist schon einige Jahre her, als ein Sturm der Entrüstung durch das Land tobte. Grund war die Idee, für die Züge der Deutschen Bahn eine Reservierungspflicht einzuführen und die BahnCard abzuschaffen. Beides wurde zum Glück nicht verwirklicht.
Die spontane Zugfahrt ist einer der großen Vorteile des Schienenverkehrs. Das sollten die Kritiker am Corona-Konzept der Bahn bedenken, wenn sie nun auf eine begrenzte Vergabe von Plätzen pochen.
Ausschließen sollte eine verpflichtende Platzreservierung dennoch niemand. Derzeit ist das Infektionsrisiko während einer Bahnfahrt gering. Das könnte sich im Herbst ändern, wenn überall weiter steigende Infektionszahlen zu verzeichnen sein sollten. Wenn zudem die Disziplin beim Tragen einer Maske zurückgeht, müssen sich Bund und Bahn die Frage der Sicherheit im Zug womöglich neu stellen.
Klar ist: Die Bahn ist auf jeden zahlenden Passagier angewiesen. Wirtschaftlich ist die Krise für das Unternehmen aufgrund der schon entgangenen Einnahmen ohnehin ein Desaster. Kunden gewinnt die Eisenbahn in Deutschland jedoch nur zurück, wenn sich die Fahrgäste gut und sicher aufgehoben fühlen. Geht dieses Gefühl verloren, hilft wohl nur eine Koppelung des Tickets an einen Sitzplatz.
Das kann aber nur die letzte Option sein. Immer wieder einmal fallen Züge aus, werden Anschlüsse verpasst. Die betroffenen Kunden dürfen heute selbstverständlich die nächste Verbindung nutzen. Einen Sitzplatz dafür haben sie naturgemäß nicht gebucht. Bei einer Pflicht dazu würden sie folglich an irgendeinem Bahnhof stranden. Eine funktionierende Lösung wird nicht leicht zu finden sein.