Frankfurt – Im harten Ringen mit der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) hat die Lufthansa eine erste Vereinbarung über kurzfristige Sparmaßnahmen getroffen. Ein langfristig wirksames Krisenpaket steht aber noch aus. Ab September wird die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für die rund 5000 Pilotinnen und Piloten um bis zu 83 Prozent reduziert, ebenso die Beiträge zur Altersvorsorge. Daneben wird die eigentlich für dieses Jahr vereinbarte Gehaltserhöhung um 1,55 Prozent auf Januar nächsten Jahres verschoben. Im Gegenzug schließt die Lufthansa betriebsbedingte Kündigungen bis Ende März nächsten Jahres aus und verzichtet auf die Einstellung von konzernexternen Pilotinnen und Piloten für den touristischen Flugbetrieb, der ausgebaut werden soll. Nach wie vor drohen aber Kündigungen ab dem zweiten Quartal nächsten Jahres.
Über das Volumen der Einsparungen macht eine Lufthansa-Sprecherin keine Angaben. Ausreichend sind sie aber nach Angaben des Lufthansa-Vorstandes ohnehin bei Weitem nicht. „Die deutliche Überkapazität bei den Piloten wird erheblich länger als bis März 2021 bestehen. Betriebsbedingte Kündigungen können daher nur durch Abschluss einer langfristigen Krisenvereinbarung in ihrer Anzahl begrenzt werden.“ Damit lässt die Airline durchblicken, dass es selbst dann nach ihrer Auffassung ohne Entlassungen nicht gehen wird. Da Vorstandschef Carsten Spohr erst 2024 eine Normalisierung des Luftverkehrs auf dann allerdings niedrigerem Niveau als 2019 erwartet, müsste eine Krisenvereinbarung einen Zeitraum von mindestens drei Jahren umfassen.
VC-Präsident Markus Wahl sieht trotz der ersten Einigung erhebliche Schwierigkeiten für die weiteren Gespräche, die bis zum Jahresende abgeschlossen werden sollen. „Wir weisen die Drohung von Lufthansa, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, klar zurück. Eine Sozialpartnerschaft muss gerade in schlechten Zeiten zeigen, wie belastbar sie ist.“ Pilotinnen und Piloten seien bereit, einen spürbaren Beitrag zu leisten, um das gesamte Cockpit-Personal an Bord zu halten. „VC steht in diesen schwierigen Zeiten hinter der Lufthansa. Umgekehrt erwarten wir vom Konzernvorstand, dass er ebenso hinter allen Beschäftigten steht.“
Aktuell beschäftigt die Lufthansa rund 5000 Pilotinnen und Piloten. Nach Angaben von Spohr sind das rund 800 zu viel, wenn die Flotte, wie aktuell geplant, bis 2023 um rund 100 Maschinen reduziert wird. Nach wie vor offen sind Gespräche mit der Dienstleistungsgewerkschaft verdi für das Bodenpersonal. Die Lufthansa hat sie in der vergangenen Woche abgebrochen. ROLF OBERTREIS