München – Es war ein vielversprechender Neuanfang, als der Schweizer Rüstungskonzern Ruag beschloss, in Oberpfaffenhofen wieder Flugzeuge zu bauen – und vor elf Jahren die erste Do 228 NG (Neue Generation) erfolgreich abhob. Es war das erste Mal seit 1998, dass sich jemand in Deutschland an die Do 228 herantraute, nachdem Dornier selbst die Produktion des Propellerflugzeugs eingestellt hatte. Es gilt als robust und universell einsetzbar: Als Militärmaschine dient es ebenso wie als kleines Passagierflugzeug mit 19 Sitzen. Mittlerweile will Ruag die Dornier 228 aber loswerden. Und rund 450 Mitarbeiter haben Angst um ihre Jobs.
Das kleine Propellerflugzeug war für Ruag nie ein Kassenschlager. Ständig war von Qualitätsproblemen und Lieferverzögerungen die Rede. Im vergangenen Jahr hat der Konzern gerade mal ein Flugzeug ausgeliefert. Schon seit Längerem versucht Ruag, ihre Tochterfirma Aerospace Services in Oberpfaffenhofen zu verkaufen. Nach Informationen unserer Zeitung befinden sich die Verkaufsgespräche mit potenziellen Käufern gerade in der finalen Phase – in den nächsten Tagen soll eine Entscheidung fallen. Die Sorge: Womöglich könnte Ruag einen Käufer wählen, der nicht am Erhalt des Oberpfaffenhofener Unternehmens interessiert ist. Ein Insider verrät: Aktuell stünden zwei Käufer zur Wahl. Eines davon sei General Atomics. Das US-amerikanische Unternehmen ist auf Kernenergie und Rüstung spezialisiert.
Es gab auch schon Gerüchte, dass Ruag darüber berät, die Verkaufsbemühungen der Tochterfirma in Oberpfaffenhofen generell einzustellen. Darüber hat der Schweizer „Tages-Anzeiger“ Ende August berichtet. Demnach mache das Flugzeugwerk fast zwei Millionen Franken Verlust pro Monat, Interessenten würden sogar Geld für die Übernahme verlangen.
„Wir haben wegen des Artikels sofort bei der Geschäftsführung der Ruag nachgefragt“, sagt Roberto Armellini von der IG Metall München. „Die Darstellung wurde dementiert.“ Man habe ihm versichert, dass es mehrere Interessenten gebe. Unter ihnen auch ein strategischer Käufer – also jemand, der Interesse an dem Erhalt des Unternehmens hat. „Was genau mit den Stellen passieren soll, wurde uns noch nicht mitgeteilt“, sagt er. „Wir hoffen natürlich auf positive Nachrichten. Allein wegen der tollen Fachkräfte. Und weil in dem Flughafengelände als Standort sehr viel Potenzial steckt.“
Auch Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert ist mittlerweile involviert. Erst gestern habe er mit der Ruag-Verwaltungsratspräsidentin Monica Duca Widmer telefoniert. „Wir waren uns einig, dass das gemeinsame Ziel der Erhalt von Arbeitsplätzen und der technologischen Kompetenz in Bayern ist“, sagte Weigert unserer Zeitung.
Auf Anfrage sagt Ruag-Sprecher Clemens Gähwiler, dass alle Aktivitäten in Oberpfaffenhofen im Geschäftsbereich MRO International „devestiert“ werden. Zu diesem Geschäftsbereich gehören Wartungen für Business-Jets und Militär-Flugzeuge sowie die Herstellung der Do 228. In einem anderen Teil des Geländes stellt Ruag Rumpfteile für Airbus her – dieser Bereich sei nicht betroffen. Grund für den Verkauf sei laut Ruag die Entscheidung des Schweizer Bundesrats im Jahr 2019, die einst staatlich kontrollierte Ruag zu großen Teilen zu privatisieren. Laut Gähwiler steht Ruag „mit Interessenten im Austausch“. „Solange die Verhandlungen laufen, haben alle Parteien wie üblich Stillschweigen vereinbart.“