Geringes Infektionsrisiko für Zugbegleiter

von Redaktion

Bahn startet Studie – Große Masken-Disziplin – Auslastung unter Schnitt

München/Berlin – Die Zugbegleiter der Deutschen Bahn sind keinem erhöhten Ansteckungsrisiko mit Covid-19 ausgesetzt. Das ergab eine Studie der Charité im Auftrag der Deutschen Bahn. Dafür wurden rund 600 zufällig ausgewählte Zugbegleiter, über 200 Lokführer und mehr als 200 Instandhaltungstechniker in Fernverkehrswerken an den Standorten Berlin, Hamburg, Frankfurt und München auf eine Infektion getestet. „Bei 1072 auswertbaren PCR-Testungen zum Nachweis akuter Infektionen war lediglich ein Werksmitarbeiter positiv“, teilte die Bahn mit. Aufgrund der Zahl der Beteiligten wird die Studie als repräsentativ für diese Berufsgruppen angesehen.

Beim ebenfalls durchgeführten Test auf Antikörper wiesen die Zugbegleiter mit 1,3 Prozent einen niedrigeren Wert auf als andere Berufsgruppen mit 2,7 Prozent. „Bahnfahren ist sicher“, stellte der für den Fernverkehr zuständige Vorstand Berthold Huber fest. Mit der über Monate angelegten Studie will das Unternehmen das Infektionsgeschehen im Auge behalten. Dafür wird es zwei weitere Testdurchgänge geben. Theoretisch können das Risiko für das Personal in den Zügen allein schon aufgrund der vielen Kontakte zu Reisenden und der langen Aufenthaltsdauer in den Waggons vergleichsweise hoch sein. Doch dafür fanden die Forscher keinen Beleg. „Unser Schutz- und Hygienekonzept greift“, sagt Personalvorstand Martin Seiler.

Die Bahn räumt ein, dass sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf das Risiko der Fahrgäste übertragen lassen. Denn während sich die Zugbegleiter stets nur kurz in der Nähe potenziell infizierter Fahrgäste aufhalten, sitzen Mitreisende mitunter stundenlang auf relativ engem Raum beieinander. Doch die Ansteckungsgefahr hält Huber auch hier für gering. Die Raumluft werde alle sieben Minuten komplett ausgetauscht. Das Robert-Koch-Institut stufe Kontakte erst nach 15-minütigem Verweilen als Risiko ein.

Bei der Durchsetzung der Maskenpflicht während der Fahrt oder einem Zwang zur Reservierung von Sitzplätzen sieht Huber weiterhin keinen Handlungsbedarf. Über 95 Prozent der Fahrgäste würden den Schutz von Mund und Nase tragen. Täglich kontrolliere der Sicherheitsdienst die Einhaltung der Regel in 120 Zügen. Zugverweise von Maskenmuffeln seien eine große Ausnahme. Berichte von übervollen Zügen hält die Bahn für überzogen. „Überlastungen finden nur statt, wenn es ein unvorhergesehenes Ereignis gibt“, betont Huber.

Die Durchschnittsauslastung von ICE und IC ist weiterhin deutlich geringer als üblich. Laut Vorstand werden derzeit nur 40 Prozent der verfügbaren Plätze gebucht. Das entspricht einem Minus von einem Drittel gegenüber dem Vorjahreswert. Auch bei steigenden Fahrgastzahlen wird sich die durchschnittliche Auslastung nicht ändern, weil immer mehr zusätzliche Züge ausgeliefert und eingesetzt werden können.

WOLFGANG MULKE

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