Bei MAN stehen die Zeichen auf Sturm

von Redaktion

VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

München – Der Streit um den Abbau von 9500 Stellen beim Münchner Lastwagen-Bauer MAN eskaliert. Bereits zum kommenden Mittwoch wolle MAN-Chef Andreas Tostmann eigentlich bis Ende 2030 gültige Beschäftigungs- und Standortgarantien einseitig kündigen, erklärte MAN-Gesamtbetriebsratschef Saki Stimoniaris bei einer Betriebsversammlung gestern in München.

Zugleich wurden Details zum jüngst angekündigten Kahlschlag im Personal bekannt. Nach Informationen aus Konzernkreisen verliert allein das Münchner Stammwerk rund 3000 Jobs und damit jeden dritten Arbeitsplatz. Begleitet ist das von massiven Verlagerungen.

So sollen die Montage von Schwerlastwagen und Fahrerhäusern ins kostengünstige Krakau nach Polen verlagert werden. Die Produktion von Achsen soll das Werk München an einen Auftragsfertiger verlieren. Im Werk Salzgitter soll nach Angaben von Insidern die Fertigung von Komponenten dicht gemacht werden, was weitere 1400 Jobs kostet. Im Nürnberger Motorenwerk sollen 1200 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen. Weitere rund 1500 Jobs stehen bundesweit bei Vertriebs- und Servicestandorten vor dem Aus.

Bereits bekannt war, dass MAN die Werke im sächsischen Plauen, rheinland-pfälzischen Wittlich und dem österreichischen Steyr schließen will. Damit sollen insgesamt 9500 von 36 000 Jobs wegfallen. Gleichzeitig werden Billigstandort in Polen und auch der Türkei aufgewertet. So sollen in Ankara künftig die Lkw-Baureihen vom Band laufen, die bislang das Werk Steyr produziert.

Sturm laufen Betriebsrat und IG Metall vor allem wegen dieser Verlagerungen ins Ausland und der beabsichtigten Kündigung der Betriebsvereinbarung. Bei Letzterem beruft sich Tostmann auf eine Wirtschaftlichkeitsklausel im Vertrag, die einseitige Kündigung erlauben soll.

Unbestritten ist, dass MAN schlecht dasteht. Fast 400 Millionen Euro operativer Verlust sind zum 1. Halbjahr 2020 aufgelaufen. Der schwedische Schwesterkonzern Scania, der mit MAN unter dem Dach der Lkw-Holding Traton arbeitet, hat dagegen noch 221 Millionen Euro Gewinn geschafft. Aber auch Scania streicht 5000 Stellen. MAN hinkt der Profitabilität der Schweden schon lange und nicht erst seit Ausbruch der Pandemie hinterher.

Während es vor der Coronakrise aber noch um den Abbau von 6000 Jobs bei MAN gegangen ist, wurde der vom Management geplante Kahlschlag jüngst massiv auf 9500 Stellen vor allem in Deutschland aufgestockt. Betriebsrat und IG Metall werten das Vorgehen des Managements mit Blick auf die geplante Kündigung der Betriebsvereinbarung als Wortbruch und kündigen Gegenmaßnahmen an.

„Wenn der Vorstand sagt, es gäbe keine Tabus, dann liegen für uns als Belegschaft auch alle Optionen auf dem Tisch“, warnte Stimoniaris. Das Verhalten des Managements sei „unterste Schublade“. Betriebsbedingte Kündigungen müssten ausgeschlossen bleiben. „Viele Beschäftigte sind enttäuscht und wütend“, beschreibt er die zunehmend gereizte Stimmung der Belegschaft. Die solle es nun ausbaden, weil vergangene Vorstände nicht geschafft hätten, MAN winterfest zu machen. Damit spielt Stimoniaris auf das jüngste Köpferollen in den Vorständen von Traton und MAN an.

Unter anderem musste Traton-Boss Andreas Renschler gehen. Betriebsrat und IG Metall beteuern keine Eskalation der Lage zu wollen. Man habe Alternativkonzepte zur „Methode Rasenmäher“ in der Schublade und wolle die mit dem Management diskutieren. Es sei klar, dass MAN zukunftsfähig werden müsse. Aber dazu gebe es andere Wege als Stellenabbau und Standortschließungen.

Ein Konzernsprecher bestätigte bislang lediglich, dass es Gespräche zur Standort- und Beschäftigungssicherung gebe. Details wollen er nicht kommentieren.

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