Siemens entlässt Energie in die Selbstständigkeit

von Redaktion

München – Siemens verteilt 55 Prozent seines Energiegeschäfts an seine Aktionäre. Am Montag werden hunderte Millionen Aktien der neuen Siemens Energy in den Depots auftauchen und der Handel an der Börse wird beginnen. Für diesen einen Tag wird Siemens Energy das 31. Mitglied des Dax sein – vom Volumen her hat das neue Unternehmen allerdings auch das Potenzial, Dauermitglied im Club der 30 größten Börsenkonzerne zu werden. Das Unternehmen mit gut 90 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 29 Milliarden Euro wird vor allem auf Basis einer Überzeugung in die Eigenständigkeit geschickt: Jeder für sich selbst klappt besser. Siemens Energy soll seinen Weg durch die anstehenden Herausforderungen alleine gehen – ohne den Schutz, aber auch ohne den Ballast des Konzerns. Das Energiegeschäft hat eine lange Tradition bei Siemens, doch im Konzernverbund gab es ein zentrales Problem: Es ist mit seinen langfristigen Wartungsverträgen und riesigen Auftragsbeständen zwar robust gegen kurzfristige Schwankungen, doch weniger margenträchtig als beispielsweise das Industriegeschäft. Das machte es im konzerninternen Wettbewerb um Investitionen schwierig.

Zum Abschied hat Energy nun noch einmal eine solide Finanzierung mitbekommen. Künftig kann und muss sich der im Frühjahr angetretene neue Energy-Chef Christian Bruch das Geld selbst am Kapitalmarkt holen, wenn auch wegen eines etwas schlechteren Ratings zu voraussichtlich etwas ungünstigeren Konditionen als Siemens.

Und die Aufspaltung könnte Risiken mit sich bringen: So warnte der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser schon auf der außerordentlichen Hauptversammlung zur Abspaltung, dass bestimmte Einspar- und Größeneffekte verloren gehen. Und vor allem ist Energy in einem sich stark wandelnden Markt unterwegs. So hat der neue Konzern zwar mit der gut zwei Drittel schweren Beteiligung an Siemens Gamesa ein starkes Windenergiegeschäft und ist auch in der wichtig bleibenden Stromübertragung tätig, doch gleichzeitig liefert und wartet er Turbinen und andere Technik für Gas- und vor allem Kohlekraftwerke – eher nicht die Technik von morgen.

Ganz trennen wird sich Siemens nicht: Gut 35 Prozent an Energy behält der Konzern zunächst selbst, knapp 10 Prozent gehen an den eigenen Pensionsfonds. Beide Positionen werden über die Zeit schrumpfen, Siemens will aber Ankeraktionär mit einem Anteil von rund 25 Prozent bleiben. C. RÜHMAIR

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