BMW plant neue Fahrzeug-Architektur

von Redaktion

Neue Modelle sind auf Elektroantrieb ausgerichtet – Rekordabsatz im Sommer

München – BMW zündet eine neue Stufe auf dem Weg zur Elektromobilität: Eine neue Fahrzeug-Architektur, die auf elektrische Antriebe ausgerichtet ist, soll ab Mitte dieses Jahrzehnts zunächst im künftigen Werk des Konzerns in Ungarn beheimatet sein. Das kündigte BMW-Chef Oliver Zipse bei der gestrigen Vorlage der – überraschend guten – Neunmonatszahlen an. Es handelt sich aber nicht um eine reine Architektur für Elektroautos – wie sie beispielsweise VW-Chef Herbert Diess mit dem „Modularen Elektrifizierungsbaukasten“ hat entwickeln lassen.

Der Münchner Konzern legt weiterhin großen Wert darauf, auf allen Produktionslinien Fahrzeuge mit allen denkbaren Antriebskonzepten fertigen zu können. So lässt sich rascher auf Nachfrageschwankungen reagieren.

Diese hochflexible Produktion sieht BMW als Alleinstellungsmerkmal. Dafür verzichtet man bewusst auf die Vorteile einer reinen Elektroarchitektur, die aufgrund des geringeren Platzbedarfs elektrischer Komponenten kompakter ausfallen könnte als eine Plattform für mehrere Antriebskonzepte.

Elektrische Antriebe bleiben in München auf dem Vormarsch. In den ersten neun Monaten stieg der Absatz elektrifizierter BMW-Modelle um ein Fünftel auf über 116 000 Elektroautos der Marken BMW und Mini.

Doch auch insgesamt hat BMW den Corona-bedingten Absatzeinbruch aus dem ersten Halbjahr erstaunlich rasch hinter sich gelassen. „Das dritte Quartal war das absatzstärkste unserer Geschichte, berichtete Zipse. Trotzdem steht nach neun Monaten des Jahres ein Absatzminus von noch knapp 13 Prozent auf gut 1,6 Millionen global verkaufte Fahrzeuge zu Buche. Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB schätzt, dass BMW damit auf einen Jahresabsatz von 2,2 bis 2,3 Millionen Autos zusteuert, ein Zehntel weniger als 2019.

Damit schlägt sich BMW aktuell beim Absatz ähnlich wie Audi und leicht besser als der Premiumkonkurrent Daimler. Auch bei der VW-Tochter liegen die Verkäufe nach neun Monaten um knapp 13 Prozent mit knapp 1,2 Millionen Fahrzeugen unter Vorjahr. Bei Mercedes beträgt das vergleichbare Minus bei 1,6 Millionen verkauften Fahrzeugen gut 13 Prozent.

Was deutsche Autobauer wieder nach oben zieht, ist vor allem China, wo BMW den Absatz im dritten Quartal wieder um fast ein Drittel steigern konnte. Zugleich schafft das zunehmende Abhängigkeit vom chinesischen Markt.

Schon jetzt ergeht es der BMW-Belegschaft besser als der des Stuttgarter Erzrivalen. BMW beschäftigt derzeit mit global gut 124 000 Mitarbeitern rund 2000 Leute weniger als im Vorjahr. Bei den Stuttgartern beträgt der vergleichbare Rückgang 13 000 Stellen. Bis zu 20 000 Jobs weniger könnten es dort am Ende werden. BMW will den laufenden Stellenabbau auf 6000 Jobs beschränken. Bei Audi geht es um rund 10 000 Arbeitsplätze.

Kostensenkung durch Personalabbau ist auch ein Grund, warum alle drei Premiumhersteller im Coronajahr 2020 schwarze Zahlen anpeilen. BMW hat nach neun Monaten einen Überschuss von 2,2 Milliarden Euro erreicht. Das sind noch 40 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, wobei auch hier das dritte Quartal starke Verbesserungen gebracht hat.

Die Frage ist, ob das auch branchenweit so weitergeht. Steigende Corona-Infektionszahlen erzwingen derzeit neue Einschränkungen, die sich auf den Autoabsatz auswirken könnten. „Wir rechnen nicht mit einem Herunterfahren der Produktion“, sagt Zipse für die letzten Wochen des Jahres. Klar ist aber auch, dass die Pandemie das schnell ändern kann.

MARTIN PREM, THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

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