Streit um Stellen bei MAN eskaliert

von Redaktion

VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

München – Bis Jahresende wollte sich das MAN-Management mit dem Personal auf ein massives Sparprogramm einigen. Dieses Ziel rückt in weite Ferne. Denn Betriebsrat und IG Metall haben beschlossen, die gerade erst begonnenen Verhandlungen bis auf Weiteres zu unterbrechen. Sie werfen der MAN-Führung um Chef Andreas Tostmann vor, MAN perspektivisch abwickeln zu wollen. „Das Unternehmen ist keinen Millimeter von seinen Kahlschlagplänen abgerückt“, begründet Betriebsratschef Saki Stimoniaris den Schritt. „Die IG Metall wird es nicht tolerieren, dass der MAN-Vorstand die Abwicklung eines der letzten Nutzfahrzeughersteller in Deutschland kompromisslos vorantreibt“, assistiert IG Metall-Vorstand Jürgen Kerner. Beide sitzen auch im Aufsichtsrat des MAN-Mutterkonzerns Volkswagen (VW).

Was zu dem im VW-Reich unüblichen Zerwürfnis zwischen Personal und Management geführt hat, ist das Beharren von Tostmann, vor allem in Deutschland 9500 von 36 000 Stellen zu streichen und mehrere Standorte zu schließen. Nach Zählung der Belegschaft würde damit hierzulande fast jeder zweite MAN-Job gestrichen. Erschwerend hinzu kommt, dass MAN eine bis 2030 laufende Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung gekündigt hat. Betriebsbedingte Kündigungen sind damit ab sofort möglich.

MAN will Produktion aus Deutschland abziehen und ins kostengünstige Ausland verlagern. Betriebsrat und Gewerkschaft fürchten, dass die Verschiebungen in geplanter Dimension bald ein Abwandern der Entwicklung nach sich ziehen und suchen deshalb politischen Beistand. Hoffnungen ruhen auf dem Land Niedersachsen, das bei der MAN-Mutter VW Anteilseigner ist sowie auf Bayern, wo MAN die meisten Arbeitsplätze hat.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat jüngst zugesagt, sich für einen Erhalt der Jobs am Standort Salzgitter einzusetzen. Dort sind 1300 von 2400 Jobs gefährdet. In Bayern haben CSU-Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nach eigener Aussage den Ernst der Lage erkannt. „Es geht um die Zukunft des Produktionsstandorts Bayern“, warnt Aiwanger. In München stehen 3000 und in Nürnberg 1200 Stellen zur Disposition. Auch eine politisch derzeit diskutierte Abwrackprämie für Lkw wollen die bei MAN Beschäftigten für die eigene Sache instrumentalisieren. „Damit könnten Arbeitsplätze gerettet und Schadstoffausstoß reduziert werden“, wirbt Stimoniaris (s. Kasten).

MAN pocht auf alle Einschnitte und sieht sich durch die jüngste geschäftliche Entwicklung bei der VW-Nutzfahrzeugholding Traton bestärkt. Unter dem Traton-Dach sind die Marken Scania aus Schweden, MAN und VW Caminhoes in Brasilien vereint. Während die brasilianische Lkw-Tochter von VW nach neun Monaten 2020 operativ nur marginal defizitär ist, kommt Scania immer noch auf vorzeigbare 419 Millionen Euro Gewinn. Das Schlusslicht bildet MAN mit 414 Millionen Euro Verlust.

IG Metall und Betriebsrat wollen erst wieder an den Verhandlungstisch zurückkommen, wenn das Management ein tragfähiges Zukunftskonzept für MAN präsentiert, das die Abwärtsspirale erkennbar stoppt. Das Management behauptet, dass ein solches Konzept schon präsentiert wurde und zeigte sich vom Verhandlungsstopp überrascht. „Wir sind weiter jederzeit gesprächsbereit“, sagt MAN-Personalvorstand Martin Rabe.

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