Was Kryptowährungen antreibt

von Redaktion

Frankfurt – Der Kurs von Kryptowährungen steigt und fällt in rascher Folge. In den vergangenen beiden Wochen ist die Bewertung von Bitcoin um rund ein Viertel auf 26 000 Euro gefallen, nachdem sie am 8. Januar ein Allzeithoch bei knapp 34 000 Euro erreicht hatte. Eine ähnliche Entwicklung nahm die zweite große Digitalwährung Ethereum. Sie erreichte ihr vorläufiges Hoch am Dienstag der zurückliegenden Woche, büßte aber bis Freitag wieder einen Teil der Gewinne ein. Insgesamt bewegen sich beide Kryptowährungen jedoch auf einem rund viermal höheren Niveau als in den vergangenen Jahren.

Die Einschätzung zum Kursanstieg gehen weit auseinander. Enthusiasten sehen hier den Ansatzpunkt für einen länger anhaltenden Höhenflug, während kritische Stimmen vor einer instabilen Entwicklung warnen. In einer Umfrage der Deutschen Bank unter Fachanalysten witterte die Hälfte definitiv eine Blase hinter den hohen Bewertungen. Es sei viel Nervosität im Markt, sagte Devisenexperte Craig Erlam von der Handelsplattform Oanda. Er deutete eine kleine Aufwärtsbewegung am Freitag als mögliche Vorbotin „einer neuen Runde von Kaufordern“. Eine Abwärtsbewegung sei aber genauso möglich.

Das Muster ähnelt etwas den Turbulenzen des Jahres 2017, als das Blockchain-Geld erstmals zum Thema in der breiteren Öffentlichkeit wurde. Spekulanten trieben den Kurs seinerzeit auf 15 823 Euro. Danach fiel er in Etappen wieder und dümpelte bis Oktober 2020 im vierstelligen Bereich vor sich hin. Dann verdreifachten sich die Bewertungen bis zum Jahreswechsel plötzlich. Das US-Investmenthaus JP Morgan rechnet bereits mit einem Anstieg von Bitcoin auf 146 000 Dollar: Es handele sich für viele Anleger um das neue Gold. Der Preis der Edelmetalle lebe schließlich auch nur von ihrem Ruf als Wertspeicher für Krisenzeiten.

Das Funktionieren jedes Geldes beruht darauf, dass eine hinreichend große Zahl von Menschen an seinen Wert glaubt – hier unterscheidet sich Bitcoin nicht von Gold oder Euro. Die Kryptowährungen haben indes einen entscheidenden Nachteil gegenüber etablierten Geldanlagen wie Gold: Es fehlt ihnen die Tradition als langfristigem Anlagegut – was wohl auch die heftigen Bewegungen erklärt, wenn die Anleger ein- und aussteigen. Eine rein privatwirtschaftlich organisierte Währung hat eben weniger Stützpfeiler für das Vertrauen. Analyst Sören Hettler von der DZ Bank weist hier beispielsweise darauf hin, dass die Bürger der Eurozone gesetzlich verpflichtet sind, den Euro als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Experten sehen die Schwächen des offiziellen Geldes zugleich als eine Ursache des neuen Krypto-Booms gerade während der Corona-Krise. Zentralbanken weltweit werfen erneut Billionensummen auf den Markt, um die Finanzsysteme zu stützen. „Die Menschen verlieren das Vertrauen in das Geldsystem“, sagt Branchenkenner Christoph Bergmann, Gründer von Bitcoinblog.de.

Bitcoin und Ethereum bleiben jedoch hochriskante Anlageformen, deren Kurse jederzeit kollabieren können. „Interessierte Anleger sollten nur so viel Geld investieren, wie sie bereit sind, als Totalverlust zu akzeptieren“, rät Analyst Hettler. Viele Kritikpunkte an Kryptowährungen bleiben gültig. Bitcoin verbraucht irrsinnige Energiemengen, weil die Erzeugung neuer Coins – und damit die Pflege des Transaktions-Speichers – immer mehr Computerleistung erfordert. Eine Reform des Verfahrens ist nicht in Sicht. Ethereum wiederum wirkt nur wenig benutzerfreundlich und findet im realen Handel bisher wenig Akzeptanz. FINN MAYER-KUCKUK

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